Es war einmal ein Mädchen, das fand einen Kerl ganz toll. Allerdings bemerkte er sie nie wirklich und deswegen ignorierte sie einfach, wie sehr sie ihn doch mochte. Und dann, ein Jahr später, da hat jemand wohl mal seine Sicht korrigiert, denn auf einmal sah er sie und alles wurde anders, denn er verhielt sich nun auch so. Sie verliebte sich und weil sie ihm im Vorhinein schon gesagt hatte, dass sie ihn mehr mochte, als sie in der damaligen Situation sollte, konnte er sich auf seinen Polstern ausruhen. Bei der nächsten Gelegenheit eroberte er sie binnen kürzester Zeit und ließ sie dann wieder wochenlang links liegen, um ihr danach nur noch größere Hoffnungen zu machen, um im Anschluss wieder auf Distanz zu gehen. Blöd, wie sie war, hakte sie nach, um sich dann Quatsch von Freunde bleiben anzuhören, die nächsten Wochen von ihm gemieden zu werden und im Liebeskummer zu vergehen. Dann, nach zwei Monaten des Dauerheulens, gibt es einen Lichtblick - endlich können sie wieder normal miteinander kommunizieren und es könnte endlich alles wieder irgendwie normal werden. Doch wahrscheinlich mag er 'normal' nicht, denn dann begeht er eine seelische Blutgretsche, sie gesteht ihm wieder einmal all ihre Gefühle und wird nach diesem Seelenstriptease mit Schweigen belohnt.
Einen Monat später wird immer noch geschwiegen. Und es tut noch immer weh. Warum? Weil man so blöd war zu glauben, dass zumindest in der ersten Zeit tatsächliches, ehrliches Interesse an einem bestanden hatte. Und dann, so viele Wochen später wird einem mit nur einem Kommentar bewusst, dass es nie um einen selbst gegangen ist. Man war einfach nur leichte Beute, zur rechten Zeit verfügbar und gerade das macht es alles nur schlimmer. Der Glaube, es wäre etwas Reales gewesen, hat einem zumindest nicht das Gefühl gegeben, ein Niemand zu sein. All die ehrlichen und aufrichtigen Worte wären nicht vergebens gewesen, man hätte sich zwar verletzlich gemacht, aber nicht für einen Volldeppen, sondern für jemanden, für den man alle Wertschätzung der Welt hatte. Wie zwei Minuten die kompletten letzten Monate einfach nur überschreiben können... die Momente, die man sich im Herzen aufbewahrt hatte, auch wenn sie nicht mehr wiederkehren würden, sie waren kostbar und ehrlich und nun... es stellt einfach nur alles in Frage und hätte man sich nicht schon bereits so oft die emotionale Blöße gegeben, so könnte man zumindest die eine große Frage stellen, die einem noch auf der Seele brennt: War auch nur irgendetwas jemals ehrlich? Will man das überhaupt so genau wissen, wenn einem klar ist, dass die Antwort zu 90% einfach nur noch mehr weh tun wird? Es ist die Ablehnung eines Menschen, an dem einem selbst viel liegt, die so unsagbar schmerzhaft ist. Und das Gefühl, selbst eine Lüge gelebt zu haben, ohne es zu wissen, sich an eine Lüge zu klammern, die dann unter einem wegbricht. Für eine Lüge Gefühle entwickelt zu haben und sich dann so dumm vorzukommen, weil man selbst über ein halbes Jahr nicht realisiert hat, dass all das nie echt war.
Und dann steht man da. Woche für Woche, Tag für Tag darauf wartend, dass irgendetwas besser wird, sich etwas aufklärt oder es einem selbst einfach egaler wird. Immerhin hatte man es schon einmal geschafft, ehe sich noch einmal alles auf den Kopf stellte. Dann sollte es vielleicht jetzt doch einfacher und schneller gehen, man ist ja in der Übung. Aber trotz alledem liegt man in der Nacht wach, findet keinen Schlaf mehr, ruft sich die alten Bilder in den Kopf und fragt sich, wie das eine Lüge sein konnte. Die ewigen, gleichen Fragen - warum, seit wann und wieso hat man es nicht gemerkt? Und um den Kreislauf zu komplettieren: Wieso war man selbst eigentlich so aufrichtig und ehrlich, wenn niemand es zu schätzen weiß und sollte man sich überhaupt wieder in so einem Grade verletzlich machen und sich Hals über Kopf in etwas hinein stürzen? Was bringt alle Ehrlichkeit der Welt, wenn man letztlich doch nur verarscht wird?
