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Sonntag, 24. Februar 2013

Die Geschichte gebrochener Herzen

Es war einmal ein Mädchen, das fand einen Kerl ganz toll. Allerdings bemerkte er sie nie wirklich und deswegen ignorierte sie einfach, wie sehr sie ihn doch mochte. Und dann, ein Jahr später, da hat jemand wohl mal seine Sicht korrigiert, denn auf einmal sah er sie und alles wurde anders, denn er verhielt sich nun auch so. Sie verliebte sich und weil sie ihm im Vorhinein schon gesagt hatte, dass sie ihn mehr mochte, als sie in der damaligen Situation sollte, konnte er sich auf seinen Polstern ausruhen. Bei der nächsten Gelegenheit eroberte er sie binnen kürzester Zeit und ließ sie dann wieder wochenlang links liegen, um ihr danach nur noch größere Hoffnungen zu machen, um im Anschluss wieder auf Distanz zu gehen. Blöd, wie sie war, hakte sie nach, um sich dann Quatsch von Freunde bleiben anzuhören, die nächsten Wochen von ihm gemieden zu werden und im Liebeskummer zu vergehen. Dann, nach zwei Monaten des Dauerheulens, gibt es einen Lichtblick - endlich können sie wieder normal miteinander kommunizieren und es könnte endlich alles wieder irgendwie normal werden. Doch wahrscheinlich mag er 'normal' nicht, denn dann begeht er eine seelische Blutgretsche, sie gesteht ihm wieder einmal all ihre Gefühle und wird nach diesem Seelenstriptease mit Schweigen belohnt. 
Einen Monat später wird immer noch geschwiegen. Und es tut noch immer weh. Warum? Weil man so blöd war zu glauben, dass zumindest in der ersten Zeit tatsächliches, ehrliches Interesse an einem bestanden hatte. Und dann, so viele Wochen später wird einem mit nur einem Kommentar bewusst, dass es nie um einen selbst gegangen ist. Man war einfach nur leichte Beute, zur rechten Zeit verfügbar und gerade das macht es alles nur schlimmer. Der Glaube, es wäre etwas Reales gewesen, hat einem zumindest nicht das Gefühl gegeben, ein Niemand zu sein. All die ehrlichen und aufrichtigen Worte wären nicht vergebens gewesen, man hätte sich zwar verletzlich gemacht, aber nicht für einen Volldeppen, sondern für jemanden, für den man alle Wertschätzung der Welt hatte. Wie zwei Minuten die kompletten letzten Monate einfach nur überschreiben können... die Momente, die man sich im Herzen aufbewahrt hatte, auch wenn sie nicht mehr wiederkehren würden, sie waren kostbar und ehrlich und nun... es stellt einfach nur alles in Frage und hätte man sich nicht schon bereits so oft die emotionale Blöße gegeben, so könnte man zumindest die eine große Frage stellen, die einem noch auf der Seele brennt: War auch nur irgendetwas jemals ehrlich? Will man das überhaupt so genau wissen, wenn einem klar ist, dass die Antwort zu 90% einfach nur noch mehr weh tun wird? Es ist die Ablehnung eines Menschen, an dem einem selbst viel liegt, die so unsagbar schmerzhaft ist. Und das Gefühl, selbst eine Lüge gelebt zu haben, ohne es zu wissen, sich an eine Lüge zu klammern, die dann unter einem wegbricht. Für eine Lüge Gefühle entwickelt zu haben und sich dann so dumm vorzukommen, weil man selbst über ein halbes Jahr nicht realisiert hat, dass all das nie echt war. 
Und dann steht man da. Woche für Woche, Tag für Tag darauf wartend, dass irgendetwas besser wird, sich etwas aufklärt oder es einem selbst einfach egaler wird. Immerhin hatte man es schon einmal geschafft, ehe sich noch einmal alles auf den Kopf stellte. Dann sollte es vielleicht jetzt doch einfacher und schneller gehen, man ist ja in der Übung. Aber trotz alledem liegt man in der Nacht wach, findet keinen Schlaf mehr, ruft sich die alten Bilder in den Kopf und fragt sich, wie das eine Lüge sein konnte. Die ewigen, gleichen Fragen - warum, seit wann und wieso hat man es nicht gemerkt? Und um den Kreislauf zu komplettieren: Wieso war man selbst eigentlich so aufrichtig und ehrlich, wenn niemand es zu schätzen weiß und sollte man sich überhaupt wieder in so einem Grade verletzlich machen und sich Hals über Kopf in etwas hinein stürzen? Was bringt alle Ehrlichkeit der Welt, wenn man letztlich doch nur verarscht wird?

Freitag, 1. Februar 2013

Wahrheit, Lüge & Gleichgültigkeit

In der heutigen Gesellschaft ist es unumgänglich, vordergründig an sich zu denken. Nur, wer die Ellbogen ausfährt und sich selbst als Gottes Geschenk an die Menschen präsentiert, hat heutzutage Chancen, wirklich das zu erreichen, was man will. Mit simpler Freundlichkeit und Aufrichtigkeit erreicht man nichts mehr. Doch was macht das dann aus uns? Einen Haufen Egoisten, die nicht aus ihrer eigenen Sicht herausbrechen, weil es sie schlichtweg nicht mehr interessiert? Empathie, was ist das? Und wer sind überhaupt diese ominösen Mitmenschen, von denen hier die Rede ist? Solange es mir gut geht, da können mir doch die anderen egal sein, denn eben diese Einstellung hat mich dorthin gebracht, wo ich heute stehe - es hat den Charakter geformt und sitzt tief drin. Schreien eigentlich alle nach einem Miteinander, so praktizieren sie doch fast alle nur ein Nebeneinander. Wir tun mal so, als würden wir gerne irgendwo integriert sein, aber das eben auch nur unter der Prämisse, dass man uns in Ruhe lässt. Anpassen? Nee. Man mag die Leute um sich herum nur so lange bis zu dem Punkt, an dem man in irgendeiner Form auf sie Rücksicht nehmen muss. 
Und wohin führt uns das? Zu einer Gesellschaft, in der ein Miteinander absolut überbewertet zu sein scheint. Niemand hält sich mehr an irgendwas auf, warum sollte man auch? Den eigenen Schweinehund überwinden wird ja überflüssig, denn wenn alle so denken, dann fällt es ja auch niemanden auf, was man selbst tut. Jeder behält alles für sich, Kritik wird kaum noch ausgeteilt und wenn doch, dann verwirft man sie im Hinterkopf wieder - immerhin befindet man sich in einer Ellbogen-Gesellschaft, man selbst fährt sie auch unnötigerweise teilweise aus, nur um sich selbst Platz zu machen. 
Und als wäre das nicht schon schlimm genug, so greift dieses Phänomen noch um sich. Ich persönlich betrachte Ehrlichkeit als eine herausragende Eigenschaft, die Menschen besitzen sollten - und anzutreffen ist sie dann doch fast nirgendwo. Die Wahrheit kann weh tun, doch sie ist immerhin das Einzige, das einen weiter bringt. Ich finde es bewundernswert, wenn man selbst die Courage besitzt, um absolut aufrichtig zu seinen Mitmenschen zu sein. Wenn man es erlaubt, anderen Menschen einen Einblick in sich zu gewähren und dadurch aus Person X ein wirklicher Mensch wird, in dem man mehr sehen kann als nur das oberflächliche Bild, das man sich heutzutage nur noch bilden kann, dann verdient das Respekt. Man macht sich verletzlich, meistens in der Hoffnung, dadurch eben nicht verletzt zu werden, doch man hat vergessen, in was für einer Gesellschaft man sich befindet: in einer, wo das niemanden interessiert. Es ist traurig, dass sich Menschen völlig öffnen, einem all die verletzlichen Stellen auf einem Silbertablett präsentiert und der Gegenüber nicht einmal mit der Schulter zuckt, sich vielleicht nur denkt "Was interessiert mich das" oder aber sich aus der nächsten Schublade das Messer greift, um in jede dieser Stellen einmal hinein zu stechen. Seit wann ist es etwas Schlechtes, wenn man ehrlich ist? Wieso zieht man Gleichgültigkeit oder schön geredete Lügen Ehrlichkeit vor? Weil es bequemer ist? Man müsste ja vielleicht mal seine Scheuklappen absetzen und den Blick ein wenig um sich herum schweifen lassen - warum diesen Aufwand nicht einfach vermeiden und der Egoist bleiben, der man ist? Solange es einem selbst doch dabei gut geht und man mit einer einfachen Lüge selbst den Kopf aus der Schlinge bekommen könnte oder sich selbst diesen Akt der Denkleistung spart und die Ohren auf Durchzug stellt...
Was ist dann dabei das Ende vom Lied? Ist man selbst ein ehrlicher Mensch, so kommt man irgendwann nicht um die Frage umhin, ob Ehrlichkeit nicht überbewertet wird. Man sieht es an sich selbst und an den seltenen Exemplaren in seinen Mitmenschen, die etwa gleich denken: Der Dumme ist letztlich nur der, der die Wahrheit vorzieht, denn nur er macht sich verletzlich. Diese Verletzlichkeit wird dann nicht einmal honoriert und versucht, irgendwie zu entschärfen, nein, sie wird schlichtweg ignoriert und man verursacht damit nur noch mehr Schaden, als wenn man nur für drei Minuten einmal darauf Rücksicht genommen hätte. Die Aussage "Wenigstens war ich ehrlich" wird kaum noch mit erhobenem Haupt getätigt, es wandelt sich immer mehr in ein "Hätte ich doch nur nichts gesagt". Und wenn man zu oft zu diesem Ergebnis gekommen ist, so hat man wieder einen ehrlichen Menschen in jemanden verwandelt, der alles für sich behält und seine Mitmenschen nur verstohlen ansieht und sich seinen Teil denkt - man wird zu einem in der Masse, der im schlimmsten Fall nun auch die Ellbogen ausfährt und das bisschen Empathie und Aufrichtigkeit, das ihn vorher ausgezeichnet hat, tief im Inneren versteckt oder sogar gänzlich verloren hat. 
Es ist traurig, wenn man sich selbst vor diese Frage stellen muss: Bringt Ehrlichkeit noch irgendetwas? Hat sie sich überhaupt jemals ausgezahlt? Was hätte ich mir nicht alles ersparen können, wenn ich einfach nur genauso gleichgültig wäre wie alle anderen oder zumindest so tue? Sollte ich nicht vielleicht auch einfach zu diesem egoistischen Übermensch werden, für den sich viele halten? Vielleicht hätte man dann im Leben mehr erreicht, eine beruflich bessere Stellung, ein paar Ablehnungen weniger, vielleicht sogar einen größeren Freundeskreis; wenn einem alles andere außer man selbst gleichgültig ist, dann passt man doch zumindest überall hin. Arroganz erreicht heutzutage mehr als Aufrichtigkeit. 
Aber was ändert man daran? Sieht man sich einmal mit der Frage konfrontiert, gibt es keine wirkliche Antwort. Vielleicht, indem man selbst weiterhin ein gutes Beispiel bleibt und weiterhin auf Ehrlichkeit baut - doch auch dabei erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man sich vor aller Welt zu sehr selbst entblößt hat und das Maß an Verletzungen zu groß geworden ist. Stumpft man selbst ab und wird zu einen von ihnen? Auch das wäre falsch und vor allen Dingen traurig, wenn man seine eigenen Ideale so missachtet. Sieht man einfach weiter dabei zu, wie alles den Bach hinunter geht? Ich weiß es nicht. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem es zu ermüdend ist, immer mit erhobenem Haupt ehrlich zu sein; es verletzt zu sehr, wenn man einen Seelen-Striptease hinlegt vor Menschen, die einem etwas bedeuten, um dann zu merken, dass man vor genau diesen abgestumpften Personen steht, die einem in den nächsten Augenblicken weh tun werden und man sich selbst in Slow Motion dabei zusehen kann, wie man enttäuscht und verletzt wird. Wie geht es von hier an weiter? Vielleicht sollte ich auch einfach in der grauen Masse der Egoisten verschwinden.