Mir fehlen selten die Worte. Aber hey, du kannst stolz sein, du hast es geschafft. Ich finde es traurig, wie du in den letzten zwei Jahren scheinbar nichts gelernt hast. Ich hatte dir wirklich von Herzen gewünscht, dass du lernst, dir selbst zu helfen. Dass dich eine Therapie weiter bringt. Dass du merkst, dass du selbst für dein Glück verantwortlich bist. Ich wollte dir dabei helfen, das wolltest du nicht. Auch fein. Aber es macht mich ein bisschen traurig, dass du es scheinbar immer noch nicht hingekriegt hast. Dass sich nichts für dich geändert hat. Und hauptsächlich bin ich gerade furchtbar wütend. Keine Ahnung, ob das deine Absicht war mit der unverschämten Nachricht, die du geschrieben hast. In der du mal wieder das Opfer deiner Umstände bist. In dem du zurückgelassen wurdest, obwohl du den Abstand zu alles und jedem gesucht hast. Nummern getauscht, sie kaum jemanden gegeben, nie auch nur ein Sterbenswort über das verloren, was da passiert ist. Weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist? Ich will nicht in meinem Loch versauern. Ich stelle mich den Konsequenzen, die mein Handeln hatte. Ich hab mich trotz allem vor die Leute gestellt und jeder, der Fragen hatte, hätte sie mir stellen können. Und auch, wenn ich mich am Liebsten in eine Ecke verkrochen hätte, habe ich es nicht getan. Ich war verunsichert, traurig, gebrochen. Und trotzdem habe ich mich hingestellt und habe mit allen gesprochen, Anwesenheit und Interesse gezeigt. Und du fragst dich dann wirklich, warum du keine Freunde mehr hast? Nachdem du selbst alles dafür getan hast, dass dem so ist? Wenn jemand um Verzeihung bittet - und das aufrichtig - dann gibt es eine Chance, sie ihm zu gewähren. Aber zu erwarten, dass alle so tun, als wäre nie etwas gewesen... wie narzisstisch kann man eigentlich sein?
Es ist eine Frechheit, was du mir da geschrieben hast. Nicht ein Wort der Reue, der Entschuldigung. Das würde ja Größe erfordern. Ich wäre ja sogar bereit gewesen, dir zu verzeihen, so halbwegs. Aber jetzt kannst du mich mal kreuzweise, ehrlich. Statt dir einzugestehen, wie krass du mich zwei Jahre lang benutzt und mit mir gespielt hast, erzählst du mir lieber wie unfair es ist, dass ich mich aus dem Loch herausgearbeitet habe. Was maßt du dir eigentlich an, uns in unserer Schuld gleichzusetzen? Dich sogar noch über mich zu erheben? Du bist nicht das Zentrum des Universums. Ich hatte wirklich gehofft, dass du dich änderst. Nicht mehr für mich, sondern für dein eigenes Seelenheil. Aber bei so einer Einstellung, wie willst du da überhaupt jemals wirkliches Glück finden? Bei mir ist auch nicht alles Gold, was glänzt, aber ich habe mich geweigert, mich von all dem, was passiert ist, kaputtmachen zu lassen. Von dir kaputtmachen zu lassen. Mittlerweile kann ich es sogar endlich sagen, dass du das warst. Und ich bin verdammt stolz darauf, nicht untergegangen zu sein. Für mich war vieles echt. Für dich war es Spiel. Ich bin ein Herzmensch. Du bist nur dein eigener König. Und da fragst du dich wirklich, warum man dir nicht hinterher rennt? Nachdem du selbst alle Brücken niedergebrannt hast? Wirklich, ich versteh dich nicht. Wie verblendet kann man sein?
Ich wünsche dir, dass du irgendwann in den Spiegel blickst und endlich verstehst, wer da steht. Und dass du endlich merkst, dass du Hilfe brauchst. Dass du mal deine Weltanschauung überdenken solltest. Dass auch deine Taten Konsequenzen haben und deine Mitmenschen nicht nur Spielfiguren sind, die du rücken kannst, wie du möchtest.
