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Samstag, 13. August 2011

Finde dich selbst - und was mach ich dann?!

Selbstverwirklichung – kaum ein Wort wird mehr genutzt, um seinen Egoismus und eigene Interessen zu rechtfertigen. Man versucht, sich selbst zu finden, mit sich ins Reine zu kommen und etwas zu entdecken, das einen erfüllt. Manche gehen für sowas über Leichen, fahren ihre Ellbogen in alle Richtungen aus und drängeln sich durch, um irgendetwas zu finden; andere wiederum haben die Suche schon längst wieder aufgegeben, weil man immer wieder nur auf Sackgassen stieß und man der Suche müde wurde. Hat man sich dann selbst aufgegeben, wenn man der ewigen Sucherei überdrüssig war? Ist man dann unglücklicher, ohne sich selbst zu verwirklichen? Oder sollte man erst gar nicht suchen, weil die Suche selbst vielleicht nur zu mehr Frustration führt als wenn man einfach alles auf sich zukommen lassen würde? Blind auf den Lauf des Lebens vertrauen wäre dann hier die Devise. Immerhin bleibt einem dann die Enttäuschung erspart, wenn einem sich nicht der Weg zur Selbstverwirklichung eröffnet, weil man verkrampft nach dem einen sucht, das einen glücklich macht. Wobei man hier wiederum auf die Frage stoßen könnte, ob man denn überhaupt etwas vermissen kann, das man nie hatte und von dem man nicht weiß, was es ist. Meiner Meinung nach kann man das sehr wohl, allerdings will ich mich damit jetzt nicht weiter befassen. Das kann ruhig jeder für sich selbst beantworten.

Ich für meinen Teil glaube, dass das Leben einem schon selbst zeigt, was einen glücklich macht, wo man sich selbst austoben kann und sich danach erfüllt fühlt. Klar, man sollte vieles ausprobieren, denn wenn man das nicht tut, weiß man auch nicht, was einem Spaß macht – aber grundsätzlich ergeben sich die besten Ding oftmals von alleine. So zumindest ging es mir, als ich meine Form der Selbsterfüllung gefunden habe (wen nähere Details nicht interessieren, sollte schnell bis zum nächsten Absatz weiter scrollen; ich verübel es keinem, weil ich weiß, wie unverständlich meine Schwärmerei nun für andere erscheinen kann). Ich habe eine Truppe gefunden, mit der es Spaß machte, Musik zu machen und vor allen Dingen diese eine Art von Musik – Jazz. Viele verwerfen diese Musikrichtung mit einem Schulterzucken und irgendwelchen Handgesten, weil sie keine Ahnung vom eigentlichen Zauber dieser Musik haben. Denn was den Jazz so einzigartig macht, ist die eigene Kreativität, die man einbringen kann. Sind sonst überall die Noten vorgeschrieben, so existiert dieser Musikstil nur daraus, dass man vom vorliegenden Schema abweicht und spätestens, wenn man seinen Solopart hat und improvisieren darf, kann man seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Man kann durch sein Instrument seine Gefühle ausdrücken, sich irgendwo zwischen den eigenen Tönen und denen der anderen verlieren und sich wegtragen lassen. Irgendwo anders hin, wo all die Sorgen gerade unwichtig sind. Wo sie nicht auffallen, weil man gerade selbst in einer solchen musikalischen Harmonie steckt, dass einem sonst nichts mehr wichtig ist. Solange man mit den richtigen Leuten spielt, mit denen man sich musikalisch blind versteht, kann einem gerade nichts geschehen und selbst wenn man einen Fehler macht, fällt man weich, weil der Rest der Truppe einen auffängt.
Natürlich ist dabei nicht immer alles schön und toll. Ich habe mich selbst oft genug über einige Proben geärgert, die keinen Spaß machten, bei denen neue Leute waren, die nervten und es immer noch tun, weil ihnen das Gefühl mangelt oder aber sonst etwas nicht passt. Es kann frustrierend sein, nervtötend, man kann sich stundenlang ärgern – und doch kehrt man immer wieder zu dem zurück, weil es einen glücklich gemacht hat. Weil man sich entfalten konnte, weil man dort genau der ist, der man sein will und sei es nur für ein paar Augenblicke. Man hat es vorher selbst vielleicht nie richtig gemerkt, wie glücklich man dabei war, doch wenn man weiß, dass es ein Ende nimmt, beginnt man plötzlich, die Dinge zu schätzen. Noch einmal in vollen Zügen das genießen, was man glaubte, dass es einen vielleicht sogar definiere. Sich damit abfinden müssen, Dinge loszulassen.
Aber ist das überhaupt richtig? Etwas loszulassen, bei dem man glaubte, sich selbst am nächsten zu sein? Sollte man nicht einfach darauf vertrauen, dass das Leben einem wieder eine vergleichbare Chance liefert, bei dem es vielleicht sogar noch besser ergeht? Oder sollte man lieber alle möglichen Hebel in Bewegung setzen, um doch noch bei dem bleiben zu können, das man so geliebt hat? Ist es ein Fehler loszulassen oder wäre es einer, sich verkrampft daran klammern zu wollen? Fragen, die mir in letzter Zeit immer und immer wieder im Kopf herum schwirren. Denn allein die letzten Proben haben mich fröhlicher und zufriedener gemacht als vieles andere in letzter Zeit und der Gedanke, dies nun nicht mehr zu haben, weil die Zeit abgelaufen ist, verfolgt mich immer wieder und stimmt mich so traurig wie viele andere Dinge seit Ewigkeiten nicht mehr – manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass die mir am wichtigsten erschienen Stücke mich verfolgen, wenn sie plötzlich eine kleine Combo in den Fußgängerzonen spielen oder aber der CD-Player einer Bar plötzlich dein Solostück heraus posaunt, damit ich ja nicht vergesse, wie sehr sie mir fehlen. Vielleicht hätte ich die Chance, diese Zeit noch ein wenig zu verlängern, den Abschied aufzuschieben und mich erst später trennen zu müssen; aber ist das richtig? Warum braucht ein Mensch – oder zumindest ich – solch ein Ventil? Was passiert, wenn es verschwindet? Würde man das Verschwinden überhaupt bemerken, würde man nicht dazu gezwungen sein, es aufzugeben, sondern es würde sich einfach von selbst irgendwie in Luft auflösen? Oder bin ich gerade einfach nur viel zu festgefahren, zu pessimistisch und sehe alles schwarz, weil ich genau weiß, dass ich solch eine Combo nicht mehr finden werde – und übersehe dadurch andere Dinge? Ich weiß, man sollte immer optimistisch in die Zukunft blicken, doch kann man diesen wehmütigen Blick zurück einfach nicht sein lassen, weil man genau weiß, wo man ein Stück Glück auf der Straße des Lebens hat liegen gelassen.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Das Mysterium der Menschen, die kommen und wieder gehen.

Tja, da mag wohl mancher den Kopf schütteln, dass ein Mädel, dass noch kein viertel Jahrhundert alt ist, meint, hier ihren Senf beigeben zu müssen – aber hey, auch ich habe viele Menschen kommen und gehen sehen. Viele von ihnen waren nur drei-Sekunden-Begegnungen auf der Straße, die erst auf einen zukamen, dann auf gleicher Höhe mit einem waren und dann wieder gingen. Aber das sind nicht die Begegnungen, die ich meine. Diejenigen, um die es mir hier geht, sind vielmehr die Menschen, die wirklich etwas in einem bewegt haben. Die einem am Herzen lagen. Und die einfach so wieder weg sind. Nicht im Sinne, dass sie gestorben wären, nein, von solchen Erfahrungen bin ich glücklicherweise bisher noch verschont geblieben (bzw. war zu jung, um mich daran zu erinnern). Sicher, sie kommen noch eines Tages, denn wenn eines gewiss ist, dann ist es der Tod. Aber da dies eben Erfahrungen sind, die ich noch nicht gemacht habe, möchte ich mich schon allein im Respekt gegenüber aller, die jemanden Geliebtes verloren haben, nicht einmal anmaßen, es auch nur etwas anzuschneiden. Also weg damit.

Doch wer kennt es nicht? Da war diese eine Person, vielleicht die beste Freundin, die erste Liebe, Verwandte, bei denen man dachte: das hält ewig. Aber mal ehrlich, was ist heute noch ewig? Das Blöde ist nur, dass man sich genau diesen Leuten immer am Verbundensten gefühlt hat – warum sollte man sonst wohl auch glauben, dass sich daran nie etwas ändert?! Dass das eine Kleinkindersicht zu sein scheint, ist auch mir in meinen relativ jungen Jahren bereits aufgefallen, denn das Leben wäre nicht das Leben, würde man solche Verbindungen einfach in Frieden lassen. Irgendwas muss passieren, sei es nun vom Schicksal vorherbestimmt oder einfach nur eine miese Laune von Fortuna, der langweilig war und ein paar Menschen ärgern wollte. Doch es wird etwas kommen, dass all die früheren Worte zu Schall und Rauch werden lässt. Es kommen immer wieder die Scheidewege, an denen man sich in verschiedene Richtungen bewegt und doch wird dort noch immer laut verkündet, dass man doch den Kontakt halten würde. Schaut man sich ein Jahr oder vielleicht zwei später noch einmal um, so wird man feststellen, was davon übrig geblieben ist: Geburtstagsglückwünsche, frohe Weihnachten und schöne Ostern. Das für immer und ewig war wahrlich nur von kurzer Dauer, verblüffend, wenn man sich doch an große Abschiedsreden erinnerte, in denen es hieß, wie wichtig man einander doch sei. Und hätte man nicht selbst der anderen Person nicht noch tausende Male in den Allerwertesten getreten, so wäre der Kontakt wohl auch schon wieder viel früher abgebrochen. Traurig, aber wahr. Immer getreu dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Manchmal frage ich mich, ob nur ich da die Ausnahme der Regel zu sein scheine, die auch nach langer Zeit sich noch fragt, was denn damals schief gelaufen sei – außer natürlich, dass man getrennte Wege gehen musste. Wäre das nicht gewesen, dann wäre sicherlich alles anders geworden, doch hätte, hätte, Fahrradkette.
Daraus resultiert eine Frage, die sich mir eigentlich schon förmlich aufdrängt: Macht es da überhaupt noch Sinn, irgendjemanden an sich heran zu lassen? Immerhin rummst es anscheinend immer irgendwann, aus welchem Grund auch immer; weil man sich auseinander gelebt hat, weil der Lebensgefährte/Freund/Freundin/was-auch-immer/Lebensstil wesentlich den Charakter beeinflusst hat, weil man umziehen musste, weil manche mehr geben als nehmen oder, oder, oder. Erst in solchen Situationen zeigt sich doch eigentlich erst der wahre Charakter eines Menschen, von dem man vorher geglaubt hatte, ihn zu kennen. Für manche mögen Worte dann nur Schall und Rauch sein, halten sich an nichts, das versprochen wurde oder aber sagen erst gar nichts. Immerhin gibt es dann ja auch nichts, was man brechen könnte, weswegen man sich später auch keine Vorhaltungen wegen gebrochener Versprechen anhören muss. Aber gerade an solchen Punkten, an denen man genau weiß, dass ein geliebter Mensch weiterziehen wird und das ohne einen oder zumindest in einem geringeren Maße, wieso kann man sich nicht gerade da einmal die Zeit nehmen und ehrlich sein? Wollte man jemanden schon immer mal die Meinung geigen, dann vielleicht besser jetzt, denn danach wird der Kontakt eh abbrechen. Oder man ist so ehrlich und sagt einfach „Hey, ich bin scheiße im Kontakt halten, aber bis jetzt warst du mir wichtig. Keine Ahnung wie das in drei Wochen sein wird.“ Klingt scheiße, wäre aber wenigstens die Wahrheit und besser als das ewige Herumgeheuchel. Oder das beharrliche Ausschweigen. Denn das ist auch keinen Deut besser, besonders wenn man selbst genug Schneid hatte, die Wahrheit zu sagen – und das aus vollem Herzen. Wenn man sich für all das bedankt, was der andere einem ermöglicht hat, für einen getan hat und es ihm nie wirklich honoriert wurde und man einfach alles sagen wollte, bevor man sich vielleicht nie wieder sieht. Aber keine Antwort ist eben auch eine Antwort, kombiniert mit der alten Einsicht: Vielleicht hat man sich ja im Menschen dahinter geirrt. Vielleicht war dem doch das alles nicht so wichtig, wie man es selbst wahrgenommen hatte. Und schon steht man wieder da, ist der Depp vom Dienst, weil man anscheinend als Einziger ein Problem damit hat, dass die Wege auseinander gehen werden. Dass einem als einziger ein Stich versetzt wird bei den Erinnerungen an die letzten Zeiten, die man gemeinsam hatte; und eine Frage, die sich dann auch stellt: Ist man ein Egoist, weil man an die Zeiten festhalten will und somit vielleicht den anderen am weitermachen hindert oder ist der dann der Egoist, weil er einen einfach zurückgelassen hat? Wer ist der Gute, wer ist der Böse in diesem Spiel oder ganz einfach: wer ist der Blöde? Klammert der eine oder verdrängt der andere, vergisst vielleicht oder hat nie realisiert, wie es mal war?
Eines jedenfalls weiß ich: Ich hab ein erhebliches Talent dafür, als Verlierer aus dieser Situation herauszukommen. Immer wieder verschwinden Menschen, die einen wichtigen Teil im Leben ausgemacht haben. Und während man selbst dann droht in Melancholie zu versinken, schaut man den anderen dabei zu, wie sie fröhlich so weitermachen, als wäre nichts gewesen. Ist es einem bei vielen Menschen auch egal, dass sie wieder irgendwo in der Masse verschwinden, so gibt es doch immer wieder diese schmerzhaften Trennungen, die einen doch wieder fragen lassen, warum eine solche „schwerwiegende Trennung“ eigentlich sein muss.

Ein Blog für niemanden.

Hallo lieber Leser, falls es dich überhaupt gibt! Dies ist ein Blog, der eigentlich keinen tieferen Sinn besitzt. Er ist da, damit ich meine Zwiegespräche über alles mögliche halten kann, das mich beschäftigt, weswegen es wohl auch manches Mal nicht ganz verständlich sein kann. Soviel jedenfalls zum Vorhaben.
And now, let the games begin!