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Donnerstag, 24. September 2015

Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran....

... Hacke, Spitze, Hoch das Bein!

Ich erinner mich noch gut an meine Kindheit, in dem dieser Spruch ein einfaches Spiel war. Ein Hut, ein Stock, ein Damenunterrock. Und das jedes Mal auf dem Weg zum Schwimmbad in der Grundschulzeit, denn wir mussten laufen und damit vertrieb man sich eben die Zeit. Es machte Spaß. 
Aus dem Spiel ist heute mein Leben geworden. 

Vorwärts.
Tatsächlich mache ich Fortschritte. Es hat mich ca. neun - vielleicht auch schon zehn? Ich komm nicht mehr hinterher - Jahre gekostet, um in einem Kapitel vorwärts zu kommen. Aber ich habe es letztens geschafft: Ich konnte meinem Onkel länger als zehn Sekunden in die Augen schauen und mit ihm einigermaßen vernünftig reden. Etwas, das ich nicht mehr getan habe, seitdem ich gerade zum pubertierenden Teenager wurde. Unser Verhältnis wird nie wieder so werden wie früher und das weiß ich, das weiß auch er. Aber ich glaube, ihm ist zum ersten Mal wirklich klar geworden, was das damals eigentlich alles für mich bedeutet hat, was da zwischen uns schief gelaufen und eben auch nicht mehr so einfach reparabel ist. Es hat verdammt lange gedauert und verdammt weh getan und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es das heute nicht mehr tut. Aber ich habe es in das Haus meiner Kindheit geschafft und diesmal, ohne von all den Erinnerungen überschwemmt zu werden, ohne mich in einem alten Zuhause fremd zu fühlen. Jetzt war es einfach nur noch ein Haus, von dem ich wusste, wie es früher mal aussah. Ob ich einfach abgestumpfter werde, was diese Geschichte angeht oder ob es einfach nur ein Schritt vorwärts ist - vielleicht auch Beides? - das weiß ich nicht. Aber ich hoffe einfach mal auf letzteres.

Rückwärts.
Dafür bist du wieder in meinen Gedanken. Und ich weiß nicht mal wieso. Es ist nichts vorgefallen, ich habe mit niemanden über dich oder bestimmte Dinge geredet, aber plötzlich habe ich wieder die Albträume, in denen du und andere Leute ziemlich große Rollen spielen - und die kann ich leider nicht so leicht ignorieren. "Du bist immer irgendwie, immer noch hier bei mir. Nach all den Jahr'n verfolgst du mich im Traum. Ich will immer noch nicht, dass du gehst, ich kann es immer noch nicht ganz versteh'n." (Gregor Meyle - Keine ist wie du) Klar, unsere Freundschaft fehlt mir noch immer und ab und an, wenn ich dich sehe, frage ich mich, ob du diese kalte Maske eigentlich irgendwann nochmal ablegst, ob ich nochmal das seltene Privileg bekomme, mehr von dir zu sehen als den ebenfalls abgestumpften, kühlen Kerl, der hier und da seine Sprüche drückt, ehe er sich dann verdrückt. Viele Dinge, die mich an dich erinnert haben, tun mittlerweile nicht mehr so weh, ich kann sie wieder genießen oder zumindest besser als noch vor einer Weile. Aber es gibt auch die Phasen, in denen mich wieder jeder Song, jeder Satz an dich erinnert und in denen ich unsere Freundschaft höllisch vermisse. Meistens auch weniger für mich (aber natürlich auch das, alles andere wäre gelogen, Egoismus ist wohl überall immer mit dabei...), sondern eher, weil ich gern wüsste, wie es dir geht, ob es dir besser oder sogar gut geht und ob ich für dich da sein kann. Bei jedem Post, den ich von dir sehe, werde ich erst einmal hellhörig, in der Hoffnung, dass nicht schon wieder etwas passiert ist. In der Regel bin ich niemand, der das Gefühl haben muss, gebraucht zu werden, bei dir hätte ich das tatsächlich immer noch gerne und ich würde es auch liebend gerne an dich weiter geben. Aber der Zug ist abgefahren. Ich hoffe nur, dass ich irgendwann aufhöre, ständig diesen Schritt rückwärts zu dir zurück zu gehen, denn eigentlich war und bin ich auf einem guten Weg. Ab und an überfährst du mich emotional nur einfach spontan.

Seitwärts.
Tatsächlich habe ich es mal geschafft, all die Leute, die was von einem wollen, zur Seite zu schieben. Hier und da vielleicht nicht ganz freiwillig, aber es tut gut, dort einfach mal auf Pause zu drücken. Luft zu holen, durchzuatmen, nicht immer der Depp vom Dienst sein. In meinem kleinen, beschränkten Leben einfach mal drin zu sein und mich nicht um andere zu scheren, sie auf Distanz zu halten, weil ich das auch mal brauche. Ich helfe zwar gerne, aber ich bin immer noch nicht wieder auf der guten Seite des Lebens angekommen, auf welcher meine gute Laune und Optimismus manche Leute vielleicht sogar schon in den Wahnsinn treibt. Da bin ich noch nicht. Aber da will ich wieder hin. Und da kann es schon mal sein, dass einem alles zu viel wird und man auf Pause drücken muss - und das tut gut.

Ran.
Und dann gibt es da die Lebensträume, denen man verzweifelt hinterherjagt und die einem auf Null gesetzt werden. In den letzten Monaten habe ich mich in einer Schule beworben, in welcher nur 40 Leute pro Jahrgang angenommen werden - und es ist zwar schön, unter den letzten 60 zu sein, dann allerdings noch rauszufliegen, ist bitter. Was ist danach geblieben? Nicht wirklich viel, außer der Aussicht, es in ein, zwei Jahren noch mal zu probieren, ansonsten sich aber umorientieren zu müssen. Zur Verwirklichung meines Traumberufs ging es keinen Schritt vorwärts, keinen zurück und langsam kommt vermutlich der Zeitpunkt, an dem ich nach Alternativen suchen sollte. An dem ich wissen sollte, was sonst noch so zu mir passt. Und obwohl ich selbst immer so viel über das Leben und meinen Platz darin nachdenke, werde ich hier keinen Deut schlauer. Ich bin immer noch voll und ganz bei mir, ein Fuß fest neben dem anderen, aber ich weiß nicht, in welche Richtung ich loslaufen soll.

Hacke.
Also wieder zurück zum Boden der Tatsachen, zu dem, was man hat, wohin man kann. Sich die Hacken aufschlagen bei Ablehnungen, Ignoranz, Forderungen, Erinnerungen, Gefühlen und das durchstehen. Bei anderen mal auf den Tisch hauen, wenn du wieder einmal für andere Leute hinhalten musst und du es eigentlich Leid bist. Einfach mal ein paar Tage nicht erreichbar sein, einfach, weil man keine Selbstverständlichkeit mehr sein möchte. Damit ein Statement setzen, ohne ein Machtwort aussprechen zu müssen. Wenn man sich selbst die Hacken blutig läuft und genug auf dem Boden aufschrammt, muss man auch mal sitzen bleiben - oder weiterlaufen, je nach Vorliebe - aber eben aus eigenem Antrieb und vor allen Dingen für sich. Man muss sich regenerieren können. In den letzten Jahren mussten meine Füße durch genug Scherbenmeere durchlaufen. Es reicht. Es muss weiter gehen.

Spitze.
Bald geht ein neuer Lebensabschnitt los. Ich taste mich langsam, aber sicher vorwärts. Neue Stadt, neue Leute, neue Wohnung, neuer Studiengang. Nicht das, was ich vorrangig wollte, nicht dort, wo ich spontan denke, mich wohlfühlen zu können, aber es ist ein neuer Start. Einer, den ich zunächst mal mit Vorsicht genießen werde. Zehenspitzen rein ins kalte Wasser, ehe ich ganz springen muss. Und ich gestehe, dass ich davor doch Angst habe. Eigentlich will ich eine große Veränderung in meinem Leben, weil es so ja nicht einfach weitergehen kann, wie es das momentan tut, das ist kein Leben. Aber ich habe auch sehr viel Angst, denn alleine sein kann ich auch hier. Zum alleine sein muss ich nicht von vielen fremden Leuten umringt sein. Ich bin ein umgänglicher Mensch, aber zunächst zurückhaltend und daher niemand, der sofort Freunde findet. Aber ich will nicht allein sein, ich will mich aber auch nicht verstellen müssen. Wer weiß... vielleicht habe ich ja an meinem ersten Tag an der neuen Uni so viel Glück wie bei meiner letzten Uni, an welcher ich am ersten Tag den Mut hatte, die eine heutige Freundin anzusprechen, die sich durch all die Jahre gehalten hat. Aber nach dem, was das letzte Mal jemand mit mir angerichtet hat, habe ich eben auch Angst davor, neue Leute in mein Leben zu lassen, auch, wenn ich es doch eigentlich will. Also erst einmal vorsichtig mit der Spitze vortasten.

Hoch das Bein.
Hauptsache funktionieren. So läuft das heute doch, oder? Das stört mich immer noch immens - hoch das Bein, das ist für mich das Kunststückchen, das man für alle vorführen muss und das ich einfach satt bin. Solange man physisch gesund ist, kann es der Psyche doch so dreckig gehen, wie man nur will, das kann man einem ja nicht unbedingt ansehen und dann kann man das auch ignorieren oder sogar verlangen, dass es versteckt wird. Dass man zu funktionieren hat. Und ich gebe mir wirklich Mühe, zu funktionieren, ich will es ja selbst wieder. Aber leider komme ich mir dabei immer noch viel zu oft deplatziert und vorgeführt vor. Ich motiviere mich täglich selbst neu zum Funktionieren, doch es regnet immer noch Vorwürfe, wenn man dabei eben nicht gerade so funktioniert, wie jemand anderes es von dir verlangt. Wenn du nicht das Leben lebst, das jemand anderes bei dir sehen will - und so gern man es denn ignorieren würde, es geht einfach nicht. Also hoch mit dem Bein. So lange und immer wieder Hoch, bis es ein Leichtes geworden ist, vielleicht sogar wieder normal anmutet und irgendwann kein Kunststück mehr ist.



"Du sagst, du hast dich verloren, erkennst dich selbst nicht wieder, als hättest du ein fremdes Leben gelebt. Musst irgendwo hin, am Besten alleine, auch wenn es dir widerstrebt. Du hast nachts im Traum plötzlich Visionen, du zweifelst an deinem Verstand. Du sagst du hast Angst, du weißt nicht, wie's weitergeht, du bist ausgebrannt. Wir werden hier auf dich warten - du bist immer noch auf der Suche nach dir selbst! Und manchmal schreibst du uns Karten - du bist immer noch auf der Suche nach dir selbst! Du sagst du fühlst dich allein in einem Raum voller Menschen, als wären sie nur Illusion. Niemand redet mit dir, weil kein Mensch deine Sprache spricht. Du sprichst sie selber nicht mehr."

Sonntag, 28. Juni 2015

Kein Ende in Sicht.

Ich bin der selbstreflektierteste Mensch, den ich kenne. Ich weiß, was meine Fehler und meine Probleme sind: Ich denke viel zu viel nach, werde beim Sprechen immer lauter und merke es nicht, ich glaube Leuten das, was sie sagen, bin viel zu naiv und dabei gleichzeitig so pessimistisch, dass ich weiß, dass ich all die Dinge einfach nicht glauben oder ernst nehmen sollte. Ich schreibe gerne viel zu lange Sätze. Ich hoffe an den falschen Stellen und suche den Fehler immer sofort bei mir statt bei anderen. Ich bin nicht sonderlich stark, harmoniebedürftig, vergebe vielleicht viel zu schnell, vergesse dafür allerdings nie. Ich verarbeite Dinge nicht, Dinge von vor 10 Jahren nagen immer noch an mir und diese eine Sache, die nun schon fast 2 Jahre zurück liegt, ist auch alles andere als verarbeitet. Dinge, die ich nicht verstehen kann, kann ich nicht abhaken. Ich gebe entweder viel zu schnell auf oder aber erst viel zu spät. Timing funktioniert bei mir überhaupt nicht. Ich mag mich oftmals selbst nicht sonderlich und wenn ich es dann tue, kommen Menschen vorbei, die mich das wieder in Frage stellen lassen. Sowieso lasse ich mich viel zu sehr von anderen Personen beeinflussen. Ich setze mich selbst ständig zu oft und zu sehr unter Druck und ich stelle alle anderen vor mich selbst. Mit jeder Enttäuschung werde ich emotional unstabiler und würde gerne etwas dagegen machen, weiß aber nicht, was. Ich weiß genau, wann was wie mit mir passiert ist.
Aber was hilft mir das? Eigentlich gar nichts. Ich bin ehrlich zu mir selbst und zu anderen, aber bei der letztlichen Problembewältigung bringt mir das kein Stück. Ich weiß, was mich kaputt macht und dass ich manche Dinge einfach akzeptieren sollte und ich probiere es auch, aber es funktioniert nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich schon über diese eine Sache und die Verbohrtheit der anderen Person, mir das nicht einfach mal zu erklären, geredet habe. Viel zu oft. Angeblich soll Reden ja helfen. Letztlich hat es nur bewirkt, dass ich den Menschen einfach überhaupt nicht mehr verstehe und das Gefühl habe, darin zwei verschiedene Personen zu sehen - die, die ich kannte und die, die so völlig anders ist und all dem den Sinn entzieht.
Ich habe oft das Gefühl, in dieser Welt falsch zu sein. Ich brauche eine Welt mit Ehrlichkeit und offenen Karten, eine, in der man zu seinem Wort steht und nicht vorher Dinge ankündigt, die letztlich nicht eingehalten werden. Das ist es wohl, was ich am allerwenigsten verstehe - warum tut man sowas? Ich bin jemand, der Gesagtes unheimlich ernst nimmt. Einfach deswegen, weil ich auch nur das sage, was ich meine und denke und auch zu all dem stehe. Und es will einfach nicht in meinen Kopf rein, wenn jemand, der eigentlich auch solch ein Mensch war, es nicht mehr ist. Bei unzuverlässigen Personen bin ich ja schon gar nicht mal mehr so naiv, da weiß ich, auf was ich mich einzustellen hab. Doch wenn diejenigen, die eigentlich auch eine bessere Welt verkörperten, plötzlich beschließen, auch zur allgemeinen Masse zu werden und das eigene Ego in den Vordergrund zu stellen, ohne Rücksicht auf jegliche menschlichen Verluste... dann habe ich damit ein sehr großes Problem. Zumindest so lange, bis man es mir nicht erklärt.
Also ja, ich weiß, was meine Probleme sind, meine Fehler, von denen die meisten daraus resultieren, dass ich zu viel nachdenke und ein grundsätzliches Bedürfnis nach Nachvollziehbarkeit habe. Schließlich räume ich immer jedem alle Freiheiten ein und denke mir "So ist er nun mal und das wirst du auch nicht ändern, also lass sie einfach alle sein, wie sie sind." Aber auch dieser Gedanke hilft nicht. Ich wüsste so gerne, wie man abschließt. Wie man den Ballast von all den Jahren, all den Menschen, die einem wichtig waren, endlich einfach los lässt. Oder zumindest damit leben kann, ohne, dass es einen in regelmäßigen Abständen einfach mal aufzehrt. Ich will innerlich nicht so kaputt sein. Ich will wieder ganz sein. Ich will loslassen. Ich wüsste nur gerne, wie das geht, denn das habe ich nie gelernt.

"Ich bin dein Fehltritt und dein Irrtum, ich bin der mit dem schlechten Ruf und all den leeren Versprechen, die immer schon gelogen waren, denn ich bin das was übrig bleibt, der Stein in deinem Schuh. Ich bin all die Bitterness, die dich so oft heim sucht. Ich bin Enttäuschung und Vergangenheit, all die nicht gelebten Träume, der Geruch auf deiner schönen Haut, den du nicht abwaschen kannst, denn ein Teil von mir bleibt für immer in dir."