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Sonntag, 28. Juni 2015

Kein Ende in Sicht.

Ich bin der selbstreflektierteste Mensch, den ich kenne. Ich weiß, was meine Fehler und meine Probleme sind: Ich denke viel zu viel nach, werde beim Sprechen immer lauter und merke es nicht, ich glaube Leuten das, was sie sagen, bin viel zu naiv und dabei gleichzeitig so pessimistisch, dass ich weiß, dass ich all die Dinge einfach nicht glauben oder ernst nehmen sollte. Ich schreibe gerne viel zu lange Sätze. Ich hoffe an den falschen Stellen und suche den Fehler immer sofort bei mir statt bei anderen. Ich bin nicht sonderlich stark, harmoniebedürftig, vergebe vielleicht viel zu schnell, vergesse dafür allerdings nie. Ich verarbeite Dinge nicht, Dinge von vor 10 Jahren nagen immer noch an mir und diese eine Sache, die nun schon fast 2 Jahre zurück liegt, ist auch alles andere als verarbeitet. Dinge, die ich nicht verstehen kann, kann ich nicht abhaken. Ich gebe entweder viel zu schnell auf oder aber erst viel zu spät. Timing funktioniert bei mir überhaupt nicht. Ich mag mich oftmals selbst nicht sonderlich und wenn ich es dann tue, kommen Menschen vorbei, die mich das wieder in Frage stellen lassen. Sowieso lasse ich mich viel zu sehr von anderen Personen beeinflussen. Ich setze mich selbst ständig zu oft und zu sehr unter Druck und ich stelle alle anderen vor mich selbst. Mit jeder Enttäuschung werde ich emotional unstabiler und würde gerne etwas dagegen machen, weiß aber nicht, was. Ich weiß genau, wann was wie mit mir passiert ist.
Aber was hilft mir das? Eigentlich gar nichts. Ich bin ehrlich zu mir selbst und zu anderen, aber bei der letztlichen Problembewältigung bringt mir das kein Stück. Ich weiß, was mich kaputt macht und dass ich manche Dinge einfach akzeptieren sollte und ich probiere es auch, aber es funktioniert nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich schon über diese eine Sache und die Verbohrtheit der anderen Person, mir das nicht einfach mal zu erklären, geredet habe. Viel zu oft. Angeblich soll Reden ja helfen. Letztlich hat es nur bewirkt, dass ich den Menschen einfach überhaupt nicht mehr verstehe und das Gefühl habe, darin zwei verschiedene Personen zu sehen - die, die ich kannte und die, die so völlig anders ist und all dem den Sinn entzieht.
Ich habe oft das Gefühl, in dieser Welt falsch zu sein. Ich brauche eine Welt mit Ehrlichkeit und offenen Karten, eine, in der man zu seinem Wort steht und nicht vorher Dinge ankündigt, die letztlich nicht eingehalten werden. Das ist es wohl, was ich am allerwenigsten verstehe - warum tut man sowas? Ich bin jemand, der Gesagtes unheimlich ernst nimmt. Einfach deswegen, weil ich auch nur das sage, was ich meine und denke und auch zu all dem stehe. Und es will einfach nicht in meinen Kopf rein, wenn jemand, der eigentlich auch solch ein Mensch war, es nicht mehr ist. Bei unzuverlässigen Personen bin ich ja schon gar nicht mal mehr so naiv, da weiß ich, auf was ich mich einzustellen hab. Doch wenn diejenigen, die eigentlich auch eine bessere Welt verkörperten, plötzlich beschließen, auch zur allgemeinen Masse zu werden und das eigene Ego in den Vordergrund zu stellen, ohne Rücksicht auf jegliche menschlichen Verluste... dann habe ich damit ein sehr großes Problem. Zumindest so lange, bis man es mir nicht erklärt.
Also ja, ich weiß, was meine Probleme sind, meine Fehler, von denen die meisten daraus resultieren, dass ich zu viel nachdenke und ein grundsätzliches Bedürfnis nach Nachvollziehbarkeit habe. Schließlich räume ich immer jedem alle Freiheiten ein und denke mir "So ist er nun mal und das wirst du auch nicht ändern, also lass sie einfach alle sein, wie sie sind." Aber auch dieser Gedanke hilft nicht. Ich wüsste so gerne, wie man abschließt. Wie man den Ballast von all den Jahren, all den Menschen, die einem wichtig waren, endlich einfach los lässt. Oder zumindest damit leben kann, ohne, dass es einen in regelmäßigen Abständen einfach mal aufzehrt. Ich will innerlich nicht so kaputt sein. Ich will wieder ganz sein. Ich will loslassen. Ich wüsste nur gerne, wie das geht, denn das habe ich nie gelernt.

"Ich bin dein Fehltritt und dein Irrtum, ich bin der mit dem schlechten Ruf und all den leeren Versprechen, die immer schon gelogen waren, denn ich bin das was übrig bleibt, der Stein in deinem Schuh. Ich bin all die Bitterness, die dich so oft heim sucht. Ich bin Enttäuschung und Vergangenheit, all die nicht gelebten Träume, der Geruch auf deiner schönen Haut, den du nicht abwaschen kannst, denn ein Teil von mir bleibt für immer in dir."