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Sonntag, 28. Juli 2013

Herz-Klaustrophobie

Laufen, einfach laufen. Immer weiter, egal wie weh die Füße tun, wie schwer einem das Atmen mittlerweile fällt und wie ausgetrocknet man sich fühlt. Einfach weiter, denn wenn man nun still stehen bleiben würde, hätte man das Gefühl, die Welt breche über einen zusammen. Und während man unendlich oft über die eigenen Füße stolpert und doch noch das Gleichgewicht irgendwie behält wächst in einem der merkwürdige Wunsch, doch einfach zu fallen - denn dann besäße man wenigstens einen physisch offensichtlichen Grund, um in Tränen auszubrechen. Wäre ja lächerlich, wenn man das einfach so, so völlig ohne Begründung machen würde, nicht wahr? 
Und doch kann man so viel laufen wie man möchte, irgendwann muss man anhalten, stoppen, mindestens für ein paar Momente zur Ruhe kommen - doch das beklemmende Gefühl ist trotzdem nicht verschwunden, trotz aller Anstrengungen. Weil man vor Problemen auch im wahrsten Sinne des Wortes nicht weglaufen kann, ebenso wenig wie vor seinen Gefühlen. Und irgendwann wird es dem Herzen zu eng im Körper, es fühlt sich eingeschlossen, überhäuft mit Dingen wie Verdrängung, guten Hoffnungen, zu vielem schlechten Timing, einem Haufen schlechter Erfahrungen, einer Prise Angst, Überforderung und Glück, das eigentlich mal zum Greifen nahe sein könnte, es aber irgendwie doch nicht ist. Kein Wunder, dass es dann irgendwann schreit, raus will, sich bemerkbar macht. Auch einem Herzen kann es zu eng werden, besonders, wenn man es eigentlich vor hatte, für's Erste wegzuschließen - und dann fügte sich irgendwie das Schicksal, alles kam anders und obwohl man es noch vorsichtig in der Truhe lassen wollte, knallen all diese Dinge noch mit in eben jene rein und auch auf den Deckel drauf. Auch Herzen können klaustrophobisch veranlagt sein - wer kann es ihm da verübeln, da raus zu wollen? Aber was macht man, wenn man es ihm gerade nicht erlauben kann? Weil es noch beschisseneres Timing ist als eh schon, weil sich Situationen nicht ergeben, egal wie sehr man sich bemüht, weil nicht jeder etwas von deinem Herzen hören will und es auch ignorieren kann, weil es eben nicht das seinige ist und daher nicht irgendwann so laut schreit, das man es selbst kaum mehr überhören kann. Und das macht es noch schlimmer, weil man eben den Menschen ja doch nur vor den Kopf schauen kann und nicht weiter. Weil man nicht hört, was deren Herzen rufen, was der Verstand flüstert und der Bauch einen vorgrummelt. Und auch die Frage, wenn man dann dem Herzen die Freiheit gibt, nach der es verlangt, ob dann alles irgendwie auch nur ansatzweise besser wird, schwebt auch ungelöst im Raum. Und doch ist ein eingesperrtes Herz genauso verletzlich wie ein normales, denn die Truhe ist kein schützender Kettenpanzer, sie sprengt sich höchstens irgendwann von alleine, weil sie von all den Dingen, die man dort hineingestopft hat, überfüllt ist. Kein Wunder also, warum einem alles sinnlos vorkommt - denn egal was man probiert hat, irgendwie erzielte es nie den richtigen Effekt.

Montag, 22. Juli 2013

Emotions-Overload.

Einatmen. Ausatmen. Versuchen, sich selbst zu beruhigen, weil doch alles in Ordnung ist. Eigentlich. Zumindest, wenn man sich mal so die Oberfläche anschaut. Wieso sollte es einem schon schlecht gehen? Gibt doch keinen Grund. Und trotzdem packt einen eine unendliche Traurigkeit, das Bedürfnis zu weinen und hey, wenn gerade alles passt (oder auch dann, wenn dem gerade nicht der Fall ist), dann tut man das auch. Für ein paar Sekunden, Minuten, vielleicht eine oder mehrere Stunden oder aber sogar ganze Tage. Und spätestens dann weiß man, dass etwas doch nicht in Ordnung ist und man eine Runde "Finde den Fehler im Bild" spielen darf. Dabei sollte das doch gar nicht so schwer sein, denn gerade dann, wenn die emotionalen Ausbrüche kommen, steht es doch dafür, dass man sich schon irgendwie damit beschäftigt hat und einem mittlerweile nur ziemlich unbewusst etwas klar geworden ist. Etwas, das man jetzt nur noch bewusst irgendwie zu verarbeiten hat. Wenn man sich dann einmal zur Fehlersuche aufgerafft hat, dann findet man ihn in der Regel auch recht zügig. Und dann?
Hat man dann erst einmal herausgefunden, was denn eigentlich das Problem ist, fällt zumindest eine Last von den Schultern, nur um Sekunden später wieder eine neue aufgeladen zu bekommen, die einem genauso den Brustkorb zuschnüren wird. Wäre ja auch immerhin mal zu schön, wenn die Welt nicht wieder sofort aufs Neue kompliziert werden würde, sondern einfach nur für einmal alles schön und normal sein lässt. Aber andererseits - was ist heutzutage noch normal? Wie immer ist es der ewige Schlachtruf "Es muss sich was ändern!", der durch den ganzen Körper hallt. Und mit ihm so viel anderes, Zweifel, Angst, noch mehr Tränen, Unsicherheit. Eine ganze Menge davon sogar, denn nichts macht so unsicher wie die Zukunft und dem Wissen, dass sich etwas ändern wird. Aber es muss sein, denn ansonsten hätte der eigene Körper wohl nicht auf die emotionale Notbremse getreten und wenn man nun ehrlich zu sich selbst ist, hat es einen ja doch schon eine Weile belastet, man war eben nur ganz groß im Ignorieren. Andererseits stellt sich die Frage, ob man nicht gerade nicht einfach wieder überemotional ist, weil man es in letzter Zeit so oft war. Oder ob man es war, weil einem das hier so klamm und heimlich belastet hat. Man sollte nun wohl am besten den Kopf frei bekommen, doch wenn man zu voll gestopft ist mit Emotionen gestaltet sich das wohl als ziemlich schwierig.
Wo ist eigentlich dieser blöde Emotionen-Aus-Knopf? Wenn es ihn gäbe, dann steckte man wahrscheinlich nicht mal in dieser wieder einmal völlig überfordernden Situation, in der alles, was ein anderer tut, einem nur noch mehr weh tut, weil man weiß, wo man sich selbst auf dem Schachfeld befindet. Wie ausgeliefert man im eigentlichen Sinne doch ist und dass man es so nicht mehr durchhält, so ein ständiges Auf und Ab. Zwischen dem, was sein könnte und dem, was niemanden etwas angeht. Zwischen Hoffnungen haben und keine Erwartungen stellen wollen. Eingekesselt in Wunschbildern und der eigenen Überforderung. Vielleicht sollte man doch einfach noch was Zeit vergehen lassen, den eigenen Emotionen trotzen. Oder endlich mal den Mumm besitzen, das zu tun, was man tun wollte, auch wenn es so böse enden kann und es wahrscheinlich auch wird. Oder aufhören zu jammern. Auch wenn man das wahrscheinlich von all diesen Dingen noch am Besten kann.