Design

Mittwoch, 25. September 2013

Puzzle dich kaputt.

Wenn man lange genug darüber nachdenkt, was an einem selbst denn nun nicht stimmt, kommt man auch zu einem Ergebnis - so erging es zumindest mir und ich weiß nicht, ob ich darüber so glücklich sein soll. Aber wo fange ich denn jetzt nur an?
In Erinnerungen schwelgen ist ein schmaler Grat zwischen Selbstgeißelung, Melancholie und Herzerwärmen, weil man seine kleine Schatztruhe wieder aufgemacht hat. Während es mich letztens einerseits einfach nur todtraurig gemacht hat, weil so viel von den Erinnerungen eben einfach nur das ist - Erinnerung, nicht mehr existent - erging es mir in den letzten beiden Tagen nun anders, als ich alte Chatlogs durchgelesen habe. Ich habe gelesen und gelesen und erst mitten drin merkte ich, wie sehr mir die Mundwinkel vom Grinsen weh taten. Weil ich's nicht mehr gewohnt bin und gar nicht gemerkt habe, wie sehr es mich berührt und wieder zum alten Ich gemacht hat - und dann wieder ging, nachdem ich am nächsten Morgen wieder aufgewacht bin und am Abend wie immer zur selben Zeit am selben Ort saß und die zehn Minuten verstreichen ließ, in denen ich mich der Welt auf der Bank präsentiere.Und irgendwie ergab dort dann alles einen absolut vermurksten Sinn.
Mein größtes Problem ist wohl einfach meine Hingabe. Wenn mir etwas oder jemand was bedeutet, dann aus vollstem Herzen, aus den tiefsten Ecken meiner Seele und das mit so einer Intensität und Passion, das es wohl schon nicht mehr normal ist. Ich verliere mein Herz ganz an Menschen oder anderen Sachen; totale Hingabe ohne wenn und aber, ohne Einschränkungen, präsentiere mich auf dem Silbertablett und für alles zugänglich. Ich gebe mich quasi auf und in die Hand anderer, gebe ihnen einen Teil von mir. Und wenn sie gehen, dann nehmen sie ihn mit. So wurde mein Glaube an Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit genommen, als der damals mitunter wichtigste Mensch in meinem Leben sich als Lebenslügner herausstellte, der eine Farce par excellence abgezogen hat. Den Glauben an Vorbestimmtheit und daran, einen anderen Menschen besser zu kennen als sich selbst. Ich weiß nicht, ob es der erste Teil war, der genommen wurde, aber jedenfalls der erste, der groß genug war, um mir die Zerbrechlichkeit in jedem Sein, in jeder Beziehung und jedem Moment zu zeigen. Mit dem Verschwinden des Teils wurde auch ich zerbrechlich. Der Glaube daran, das dem, der Gutes tut und auch ist, Gutes widerfährt, hat sich aufgelöst. Und der Gegenpart in diesem Geflecht nahm auch etwas mit, einen weiteren Teil von mir. Hoffnung und die Gewissheit, dass Familie mehr als nur ein Wort oder das gleiche Blut in den Adern ist. Dass Worte darüber, wie wichtig man einander sei, nicht nur Worte sind. Beide nahmen sie ein Stück von mir mit und bei beiden erkenne ich mich und uns nun nicht mehr wieder, weil sie selbst dieses Stück weggeworfen haben und nicht mehr aufflammen kann, wenn wir uns wiedersehen. Weil mittlerweile nun noch genug andere Teile fehlen, denn mit jedem Abschied oder Ende habe ich auch etwas von mir verabschiedet.
Ich habe mich trotzdem wieder vollends hingegeben, Freundschaften etwa. Und in dem Moment, wo sich die andere Seite vollends abgewendet hat oder aber dich ersetzt, haben sie wieder ein Teilchen von mir mitgenommen, ein kleines Puzzle-Stück von mir. Zusammen mit dem Glauben, dass es Menschen gibt, die zu mir passen, auch über einen längeren Zeitraum, mit denen man alles teilen kann und die für einen da sind. Dass es diese Freundschaften aus Serien und Filmen auch in Realität gibt und dass nicht nur dir das alles wichtig ist, sondern auch den anderen. Dass sie deine Hingabe nicht übersehen, sondern schätzen. Nicht wieder einen Teil von dir einstecken werden und ihn mitnehmen, um ihn irgendwo verwesen zu lassen. Aber so war es nicht. Nur einer dieser Menschen hat diesen Teil behalten, irgendwo innen drin und bringt ihn auch wieder mit, wenn wir uns sehen. Und es tut so gut in der Seele, wenn man das spürt, auch wenn dieser Teil noch so weit weg sein mag. Aber es gibt noch mehr Puzzle-Teile von mir, die sich mit der Zeit weiter abgelöst haben. Mir fehlt noch immer das Gefühl, das ich beim Improvisieren oder in meiner Jazz-Combo allgemein hatte. Diese Losgelöstheit, Schwerelosigkeit und wie einfach sich alles von einem lösen konnte. Weil ich mich auch da völlig hingegeben habe, bei jedem Ton, jeder Melodielinie, jedem Solo, jedem Takt. Weil es das Gefühl war, das gespielt hat, nicht meine Finger. Und es hat dieses Puzzleteil so groß anwachsen lassen, dass es solange wie es bei mir war die anderen zumindest ersetzen konnte - bis ich es aufgeben musste. Bis ich es selbst im Musiksaal I liegen lassen musste, irgendwo zwischen dem Flügel und meinem persönlichen Barhocker. Für Viele mag es ausgesehen haben wie ein absolut nichtiges Teil, das das Gesamtbild des Puzzles nicht zerstört, doch ich weiß, wie relevant es war; es war der Eckpfeiler, das einfache Anfangsstück, das man immer zuordnen konnte und bei dem alles andere stehen und fallen konnte, es zumindest hatte immer seinen festen Punkt. 
Und doch habe ich geglaubt, gelernt zu haben. Mir Teile nicht mehr so einfach klauen zu lassen und mich nicht mehr so vollends auf- und hinzugeben. Bis jemand kam, der über kurz oder lang verstanden hat, dass ich tief drinnen doch immer so ein Mensch sein werde und es sich zu Nutzen gemacht hat. Gewusst hat, dass ich beinahe alles tun würde, wenn es sein müsste, um solche Menschen, die ich zu meinen neuen Eckpfeilern im Puzzle mache, glücklich zu machen. Denn wenn ich schon gelernt habe, dass guten Menschen nicht automatisch Gutes widerfährt, sollte doch zumindest ich dafür sorgen, dass es ihnen gut geht. Und ohne dass ich es merkte, hat er willkürlich Teile von mir abgerissen und durch die Luft gewirbelt, als wäre es ein Spiel. Weil er wusste, dass bei mir irgendwann aus jedem Nein ein Ja wird und wenn nicht, dann sorgt er schon dafür. Weil er wusste, wie er mich immer und immer wieder zum Punkt der Selbstaufgabe bekam und mit jeder Ablehnung, die er sich irgendwie zu dem zusammen schusterte, das er wollte, nahm er einen Teil mehr von mir. Bis es zu viele waren und ich gemerkt habe, wie kaputt er mich gemacht hat. Wie wenig von meinem eigenen Motiv noch zu erkennen war und wie egal es ihm war; und ich habe sie mir zurückgeholt, bin wieder ein Stück in das zurückgewachsen, was ich sein sollte, bis jemand kam, bei dem ich glaubte, er würde mich nicht so mutwillig zerstören wollen; bei dem ich ehrlich bin, geradeheraus und damit das beschütze, was von mir noch da ist - doch was brachte es? Nichts. Stattdessen nahm er sich den Teil von mir, der noch an Ehrlichkeit glaubt, an Aufrichtigkeit und daran, dass man vor anderen Menschen zumindest so viel Respekt hat, dass man sie nicht sofort absichtlich benutzt. Der Glaube daran, dass es noch gute Menschen gibt, die einen nicht kaputt machen oder verletzen und zu einem gehören könnten und wenn nicht, dann zumindest nicht einen Teil von dir mitnehmen, weil sie selbst wissen, dass sie damit nichts anfangen können. Doch er hat ihn mitgenommen und irgendwo ins Feld geschmissen, damit ich mich kaputter denn je fühle. Unvollständig, ohne die Teile, die Stabilität bringen würden. Ein Puzzle ohne wirkliches Motiv, farblos und alles, was du denkst, was du machen kannst, ist eine Mauer drum herum bauen. Mauern was das Zeug hält, höher, stabiler, damit nur jemand dorthin kommt, der sich dessen würdig erweist. Auf eine gewisse Art und Weise bist du noch immer ehrlich, wenn auch verbitterter, realistischer oder auch pessimistischer, weil die guten Teile irgendwo anders verstreut liegen. Und ohne dass du es merkst, kommt jemand und baut all diese Mauern ab, hat irgendwo die Teile gefunden und wieder angefangen, dich zusammen zu puzzlen. Stück für Stück. Du kannst gar nicht anders, als dich auch hier wieder mit einer Intensität hinzugeben, wie du sie selbst noch nicht kanntest. Weil er anstatt dir nur Teile zu nehmen einfach nur gut tut. Weil er selbst die Teile, die irgendwo anders verloren sind, mit Eigenanfertigungen ersetzen kann und dir dann auch das Gefühl gibt, wieder ganz zu sein. Trotz der vielen Jahre, in denen alles erfolgreich irgendwo verloren gegangen ist. Wie könnte man sich so einem Menschen verwehren? Dich ihm nicht wieder vollends hingeben und ihm mit offenen Händen dein ganzes Sein entgegen strecken, in der Hoffnung, dass er einen Teil von dir gut aufbewahren würde. Und es hängt mit all den Stücken zusammen, die er dir wiedergegeben hat. Warum verwundert es dann noch, dass, wenn er geht, er all diese Teile mitnimmt und in dir diese Leere zurückbleibt, die alles auffrisst und den Rest mit noch mehr Sinnlosigkeit einhüllt? 
Doch immerhin gibt es dabei auch eine gute Nachricht - er hat all die Stücke noch nicht weggeworfen. Ich spür sie noch in den seltenen Momenten, in denen man drei Sätze redet. Sie sind noch da, bringen mich beim Lesen der Chatlogs noch zum Grinsen anstatt zu unendlicher Traurigkeit - und vielleicht kommen sie wieder zurück, irgendwann. Denn die Distanz tut zwar weh, aber es ist noch anders wie mit all den anderen Stück-Wegwerfern; bei ihnen ist es Gewissheit, dass sie dein Puzzle, dich kaputt gemacht haben, irgendwo, wenn auch nur ein kleines Eckchen und du hast es zwar akzeptiert, aber nicht vergessen. Je nachdem wie viel sie von dir mitgenommen haben, tut es vielleicht sogar noch immer ein wenig weh, weil die Leute sich geändert haben, weil du dich durch das Gepuzzle verändert hast. Doch das hier ist noch anders. Ich weiß, dass ich mein Puzzle dort nicht beschützen muss. Ich weiß, dass es eigentlich in guten Händen ist, auch wenn diese momentan mit vielen anderen beschäftigt sind und dich dabei ausgrenzen - das ist, was weh tut. Was an die anderen Puzzle-Zerstörer erinnert. Aber noch weißt du, dass deine völlige Hingabe, selbst wenn sie umsonst war, zumindest nicht dazu geführt hat, dass all das in noch größere Stücke gerissen wird. Diesmal hoffentlich nicht.

Sonntag, 22. September 2013

Hoffnung ist hoffnungslos.

Jeden Tag sitze ich zur gleichen Uhrzeit am gleichen Ort. Den Blick aufs Wasser gerichtet, sehe, wie die Wipfel der Trauerweide fast das Nass berühren und es doch nicht tun, wie die Schwäne und Enten umher schwimmen und mich doch klagend anblicken, weil ich jeden Tag wieder komme und doch nie etwas Brot oder ähnliches mitbringe, um es ihnen zuzuwerfen. Weil mein Hund sie stattdessen beobachtet und sie den wohl nicht leiden können. Über so viele Jahre hinweg ist dies mein Lieblingsplatz gewesen, geworden und oftmals bin ich einfach nur dort vorbei gegangen, ohne viel mehr Zeit dort zu verbringen. Um die schlichte Schönheit des Ortes (wenn man davon absieht, dass das Wasser eher eine Brühe ist) in mir aufzunehmen und es auch dabei zu belassen. Doch das hat sich geändert. Zusammen mit ihm. Weil dadurch der Ort irgendwie eine neue Bedeutung gewonnen hat und aus ihm mehr macht, als nur einen Platz in meiner Heimat. Und jetzt sitzt du jeden Tag dort und erinnerst dich an Dinge und versuchst, Abstand von Zuhause zu gewinnen. Von dem ewigen Gefühl der Resignation und dem Gefühl, dass etwas bei dir fehlt. Etwas von dir selbst, das mitgenommen wurde, irgendwie, ohne, dass du's gemerkt hast. Die Fähigkeit, aus den kleinen Dingen Schönheit zu gewinnen, gute Laune aus ein paar Strahlen Sonnenschein zu ziehen, dich von Musik aufheitern zu lassen. Das ist weg. Und eigentlich war es noch immer egal, was der Grund für Traurigkeit bei mir war, zumindest das konnte ich noch. Vielleicht nicht im üblichen Ausmaß und dennoch, das Sonnenschein-Kind kam immer noch mal aus irgendeiner Ecke raus. Das ist nicht mehr da. Das gesamte Lebensgefühl besteht nur noch aus Resignation, Lebens-Müdigkeit, Gleichgültigkeit. Fröhlichkeit ist nur noch eine kleine Erscheinung, die so schnell wieder geht wie sie gekommen ist. Emotionale Abgestumpftheit, weil einen das Leben überholt und man sich selbst nicht dazu in der Lage sieht, aus den Sackgassen, in denen man steckt, wieder rauszukommen. Sich aus dem Bett herauszurollen wird zur Herausforderung, Worte zu schreiben zur Qual und jeder Tag kommt einem genauso eintönig vor wie alle anderen. Ob man selbst etwas daran ändern könnte? Vielleicht. Wenn man nicht selbst irgendwo jegliche Hoffnung aufgegeben hätte. Egal was für welche.
Hoffnung, dass eigene Ziele und Ideale in dieser Welt durchsetzbar sind. Hoffnung, dass das, an was man im Leben glaubt, auch tatsächlich existiert. Auch wenn es unrealer erscheint denn je. Denn wenn all das so weit weg erscheint und wie eine naive Kinderfantasie, dann bleibt einem nur die Hoffnung. Doch wenn man diese oft genug niederschmettert, dann geht auch sie irgendwann weg. Und so sitze ich an meinem Lieblingsplatz, innerlich resigniert, mit stumpfen Blick irgendwo auf's Wasser gerichtet, ohne Fokus. Mich nach dem Teil sehnend, der irgendwo verloren gegangen ist. Und irgendwie widerspricht sich doch alles. Denn ich sitze nur aus dem Grund jeden einzelnen Tag zur gleichen Uhrzeit an dem Ort, falls er mich sehen will. Damit, wenn er mich sucht, dort auch findet. Weil ich gefunden werden will, nur einmal im Leben. Weil es nicht nötig ist, dass man mich braucht, das muss nicht sein. Aber zumindest, dass man mich will, selbst wenn man mich nicht braucht. Weil ich wichtig bin. Wäre zumindest schön. Aber eigentlich habe ich keine Hoffnung, dort gefunden zu werden. Die habe ich aufgegeben und jedes Mal setze ich mich bereits schon resigniert auf die Bank, sicher, auch an diesem Tage nicht gesucht, nicht gefunden zu werden. Und komme mir selbst dabei armselig vor, weil ich mich für Niemanden auf dem Silbertablett präsentiere. Mich nicht an eigene Prinzipien und Androhungen halte, weil es mich wie die Motten ans Licht immer wieder dahin zieht. Ich würde mich wohl selbst auch schon nicht mehr ernst nehmen. Vielleicht sollte ich mich selbst mal ohrfeigen, damit ich wieder wach werde. Damit ich nicht ständig das Gefühl habe, dass das Atmen schwer fällt, dann laufen gehe und merke, dass es immer schlechter deswegen geht. Ich selbst bin nur eine einzige Farce, darauf hoffend, gefunden zu werden, wie ich am Weiher sitze, Tag für Tag. Also hoffe ich doch noch irgendetwas, irgendwie. Und andererseits weiß ich doch, dass es nicht eintreffen wird, denn ansonsten täte jeder Tag nur noch mehr weh. Denn weder er noch der Teil von mir, der irgendwo unterwegs verloren gegangen ist, sucht mich, wird mich daher auch nicht finden. Und irgendwie erscheint einem alles so herrlich sinnlos. Selbst die Worte hier. Eigentlich alles, egal wer etwas sagt, was man liest, was man tut oder eben auch nicht. Es ist eben einfach alles sinnlos. Doch trotzdem versuche ich mir in den Arsch zu treten, mich hier selbst mit Worten zu beschallen, dass es irgendwann wieder besser geht, besser wird. Dabei weiß ich nur zu gut, was für ein kaputter Mensch ich bin. Fernab von den Leuten, die mich nicht suchen oder finden wollen; es lässt sich eben nur einfach besser ignorieren, solange man den guten Part von sich selbst noch hat. Das Einzige, das man eigentlich immer an sich mochte, diese Fähigkeit der guten Laune, des positiven Hoffens, aus dem Kleinen etwas Schönes gewinnen zu können. Doch mit all dem vergebenen Hoffen auf so vielen Gebieten, für viele Menschen und ein klein wenig für sich selbst; weil man sich die Welt nicht auf ewig schönreden kann, wenn sie einem immer das Gegenteil von dem beweist, an das man als Einziges im Leben wirklich feste glaubt. Glauben möchte. An dem man immer wieder Halt gesucht hat und jetzt auch über einen zusammen bricht. Weil einfach alles wegbricht, egal wo, egal wie und das, was vielleicht noch da ist, so furchtbar sinnlos erscheint. Und doch, um nicht auf so etwas Negativem zu enden noch ein Zitat aus einer Serie, das irgendwie doch positiv ist - auch wenn auch das mir als leere Worte erscheint.
"That's how you stay alive. When it hurts so much you can't breathe, that's how you survive. By remembering that one day, somehow, impossibly, you won't feel this way. It won't hurt this much." - Grey's Anatomy.

Donnerstag, 12. September 2013

Du fehlst.

Für viele ist es einfach nur ein abgedroschener Satz, dieses "Ich vermisse dich". Einer, der über die Zeit an Wert verliert, weil man Menschen einfach aus seinem Leben ausradiert als wenn sie nie Relevanz besessen hätten. Weil man ihnen nicht so gefehlt hat wie sie einem selbst fehlen und man selbst merkt noch nach Jahren das Loch, das zwar kleiner geworden, aber noch immer da ist, weil sie einem wichtig waren und es einem weh tut, wenn man zum Geburtstag nur noch eine E-Card zu schicken braucht, weil man selbst bereits seit Jahren auf eine Rückmeldung wartet, wo man doch angeblich so viel bedeutete in deren Leben. Weil man sich bei der Nächsten selbst dann nicht mehr zu melden braucht, da es keinerlei Bedeutung mehr für sie hat und man selbst lange genug versucht hat, nicht jeglichen Kontakt einbrechen zu lassen. 
Und gerade deswegen gibt es Menschen wie mich, denen solche Worte viel wert sind. Die sie nicht einfach so dahin sagen, sondern nur, weil es wirklich so ist und es wichtig findet, den Menschen, die einem so viel bedeuten, das auch zu sagen. Und es stößt auf taube Ohren, Desinteresse, was auch immer. Trotzdem muss es raus, weil einen sonst das Vermissen-Gefühl vielleicht auffrisst. Weil es wieder einen Menschen gibt, der so viel Ähnlichkeit zu den anderen zweien besitzt, die schon gegangen sind, dass man es schon fast kommen sieht, wie sich hier alles wiederholt. Und alles was bleibt, sind die Dinge, die man nur zu gerne sagen würde:
Du fehlst mir. Ich vermisse dein Lachen, die dabei entstehenden Grübchen und das Leuchten in deinen Augen. Ich vermisse deine Stimme, egal ob live oder nur durch's Telefon, ob laut oder bei einem tiefen, leisen Brummen. Ich vermisse es, dir durch die Haare zu wuscheln oder an der Glückssträhne herum zu spielen, dir spielerisch in die Seite zu schubsen oder ungläubig im TV 'My big fat Gipsy Wedding' zu gucken, um irgendwelche Bilder von LED-Schmetterlingskleidern nie wieder loszuwerden. Ich vermisse es, mit dir unsinnige Bilder zu schießen, stundenlang miteinander zu schreiben oder überhaupt mal wieder zu schreiben. Füreinander Zeit zu haben, egal wie kurz, egal wann, weil man den anderen trotz eines vollen Tages noch in den Tag mit reinstopfen möchte. Dieses unterdrückte Schmunzeln, wenn du etwas lustig findest und genau weißt, dass ich's nicht tue und trotzdem lachen willst. Mir fehlt dieses liebenswürdige "Gar nüscht", sinnlose Songtext-Einwürfe von 'Ich bin dagegen - ich bin dafür' bis hin zum ' 'n kleinen Nazi hat sie' und gemeinsame Spaziergänge. Sich zusammen auf Schaukeln oder in Schaukeltiere pflanzen, einfach irgendwo hinsetzen oder -legen. Umarmungen, die die Welt irgendwie besser machen, weil man weiß, dass jemand Besonderes gerade da und bei einem ist. Telefonate, die zu schnell vergehen und die man trotzdem führen muss, weil man den Anderen gerne hören würde und man sich genug zu sagen hat, obwohl doch gar nichts los ist. Das Bedürfnis, sich so viele Kleinigkeiten mitzuteilen, obwohl sie keine Relevanz besitzen. Gegenseitiges Mobben, Sündenbock sein und sich beim Inlinern ausgerechnet vor dir auf die Schnauze zu legen, untermalt mit diesem besonderen Lachen in deinem Gesicht, wenn ich mal wieder was unglaublich Dummes oder Verpeiltes gesagt und/oder getan habe. Mit dir die Zeit zu vergessen, sogar völlig zu verlieren und nicht glauben zu können, wie einfach es ist, mit dir gegen irgendwelche Zeitgesetze zu verstoßen, weil das doch gar nicht sein kann, dass wieder so viele Minuten verschwunden sind. Jeden Tag voneinander zu hören und das nicht nur einmal und sich zu sehen so oft es denn ging. Gleichzeitig Serien oder gar Filme zu schauen und vor dem eigenen Bildschirm trotzdem nicht allein sein. Ein Vertrauen und eine Vertrautheit, die einfach aus dem Nichts gekommen sind und das Gefühl, mit dir über alles reden zu können, dir auch alles sagen zu wollen und keine Geheimnisse zu haben. Es fehlt eine gesamte Freundschaft, dein Gesicht, dein Lachen. All das. Die Art und Weise, wie deine Haare hochstehen, wenn ich mit den Händen drin war oder wie du langsamer wirst, wenn ich das während des Gehens mache. Wie ich langsamer werde, wenn du sowas machst. Deine Zauberhände. Deine wunderschönen blauen Augen, obwohl ich diese Farbe nicht mal mag, versteckt hinter einer Brille, die mich immer wieder wahnsinnig macht, genauso wie du gerne meine Sonnenbrillen vernichten würdest. Einfach quasi jedes Spiel gegen dich zu verlieren und doch noch immer mit dir spielen zu wollen, weil mit dir auch Verlieren Spaß macht. Wie es eigentlich egal ist, was wir machen und was passiert, weil es immer schön ist. Weil es selbst nachts regnen kann und uns nicht davon abhält, auf den Spielplatz zu gehen. Hypothetische Hunde zu haben, für die man Namen sucht und findet. Wie einfach du mich zum Lachen bringen kannst, auch wenn mir gar nicht danach ist und wie ein Lächeln von dir schon reicht, um meine Welt zu erhellen. Weil ich dir einfach nicht lange böse sein kann, wenn überhaupt, weil du einfach so ein toller Mensch bist und ein Blick von dir ausreicht, um mich wieder weich zu kriegen. Was würde ich für diese Freundschaft geben, wenn sie wieder so wäre oder zumindest nur ein Funken davon, denn dann wäre das andere Vermissen nicht so schwer. Das Vermissen von deiner Hand in meiner. Mich an dich kuscheln zu können und dabei dein Herz schlagen zu hören. In deinen Augen versinken können, weil sie so schön sind, auch wenn du sie lieber versteckst. Dieses leise Kribbeln in meinem Körper, wenn du mich mit diesem einen Blick ansiehst und mich kurz darauf küsst. Jede Berührung von dir so deutlich wahrnehmen als wenn ich auf jede einzelne Jahrzehnte gewartet hätte. Einfach nur die Möglichkeit, mich an deinen schönen Brustkorb lehnen zu können und dabei das Gefühl zu haben, Zuhause zu sein. In diesem Moment genau zu wissen am richtigen Ort zu sein. Dich bei keinem einzigen Abschied jemals gehen lassen zu wollen, weil bei dir alles schöner ist, weil du alles schöner machst. Weil du schön bist. Innerlich, äußerlich, mit ganzer Seele und vollem Herzen. 
Und wie ich auf all das letztere verzichten würde und auch könnte, wenn du es wolltest; wenn dafür wenigstens etwas von all dem anderen zurück kehrt, weil ich gern deine Sonne in deinem Leben wäre wie du es für mich bist. Weil ich dieses bezaubernde Lächeln wieder auf dein Gesicht zurückholen will, dich umarmen möchte um dir genau das gleiche 'Die Welt wird irgendwie besser'-Gefühl zu geben. Vielleicht würde ich auch einfach alles eintauschen, wenn es dir dann besser gehen würde. Wenn dadurch die Augenringe verschwinden würden, die Müdigkeit in deinem ganzen Sein und die Erschöpfung auf deinen Schultern. Mir ein paar Lasten aufhalsen, wenn du sie dafür nicht mehr hättest, wieder ein Vermissen-Loch aufschlagen und darauf warten, dass es mit den Jahren kleiner wird, ohne sich jemals zu schließen, wenn du dafür wie all die anderen ein zufriedenes Leben ohne mich hast. Also ja, ich vermisse dich und nein, es ist nichts, was ich dir abgedroschen vor die Füße werfen würde, nur um es mal gesagt zu haben. Es fehlt alles an dir, um dich herum, das was dich ausmacht. Einfach du. Du fehlst. 

Sonntag, 8. September 2013

Wenn Schweigen weh tut.

Es gibt nur wenige Menschen, mit denen Schweigen angenehm sein kann. Wenn ich ehrlich bin, habe ich davon erst drei kennen gelernt, zwei davon waren nur Kurzauftritte und die Befürchtung, dass für den Dritten auch bald der Vorhang fällt, wird immer größer. Dabei ist es so eine schöne Sache, nicht miteinander reden zu müssen, um sich zu verstehen, weil man sich sonst einfach auch viel zu sagen hat und dann auch ruhig mal Pause sein darf. Weil es reicht, sich in die Augen zu sehen oder sich kurz zuzulächeln, alles um sich herum zu genießen und vor allen Dingen die Gesellschaft dieser Person. Ich finde es schwer, jemanden zu finden, bei dem das nicht unangenehm ist. Wo man nicht das Bedürfnis hat, Stille mit irgendeinem Small Talk-Quatsch zu überbrücken oder seltsame Gespräche zu führen, die einfach an den Haaren herbei gezogen sind. Man kann einfach bei sich und beieinander sein und das ist ein wunderbares Gefühl. 
Aber Schweigen kann mit genau einer solchen Person auch absolut schlimm sein. Wenn man so viel zu sagen hat, aber nicht dazu kommt. Wenn man wichtige Fragen stellt, die nicht beantwortet werden oder Themen anspricht, die einem auf der Seele lastet und nur mit noch mehr Schweigen belohnt wird.Weil das Herz einfach irgendwann überläuft und Dinge raus müssen und einst hatte man sich geschworen, nie wieder sich so verletzlich zu machen, wenn man nicht weiß, wie wichtig man dem anderen Menschen überhaupt ist und weil man schon einmal sich so furchtbar geöffnet hat, um letztendlich nur dumm angeblinzelt und im Anschluss ignoriert zu werden. Und dann ist es wieder übergelaufen, bei einem anderen Menschen und zumindest dachte man dort, auf offene Ohren zu stoßen. Irgendeine Reaktion zu bekommen, die, die nicht nur aus Schweigen besteht, sondern zumindest um ehrliche Gedanken - und wenn es nur ein 'Ich bin gerade überfordert, bitte lass mir was Zeit, aber ich werd was dazu sagen' ist. Okay, ich geb zu, ich weiß selbst nicht, ob das alles so richtig ist, was da raus kam, aber es musste raus; und eigentlich hätte es vielleicht sogar mal aus der Reserve locken sollen, doch die Antwort ist noch mehr Distanz und der mitschwingende Subtext, dass du wieder deine Worte vergeudet hast, weil sie nicht gehört und erst recht nicht beantwortet werden wollen. Und dieses Schweigen straft mehr als alles andere: Wut, Enttäuschung, Traurigkeit; weil man nicht weiß, was es bedeutet, ob es nicht reine Gleichgültigkeit ist oder nur einfaches Zeit nehmen. Insgeheim macht man sich dann auch noch selbst Vorwürfe, nicht einfach wie sonst immer den Mund gehalten zu haben, weil es alles nur schlimmer macht, weil nun noch mehr Distanz da ist als eh schon, weil man vielleicht das letzte Verbindungsstück somit kaputt geschlagen hat. Weil die Gefühle nicht einfach weggehen, weil dieser Jemand immer noch der erste und letzte Gedanke an jedem Tag ist und die Vorstellung, zusammen mit diesem Jemand einschlafen und aufwachen zu können in den ziemlich schlaflosen Nächten doch noch immer das Mittel ist, das funktioniert, um zufrieden einzuschlafen, auch wenn die Realität immer ferner davon abrückt. Weil man den Mund nicht gehalten hat. Weil man mit Schweigen belohnt wurde, das eigentlich schon so viel und doch so wenig sagt. Weil man nicht miteinander reden kann, warum auch immer. 

"Come on write me a song, give me something to trust. Just promise you won't let it be just the keys that you touch. Give me something to believe in, a breath from the breathing. So write it down, I don't think that I'll close my eyes 'cause lately I'm not dreaming so what's the point in sleeping? It's just that at night I've got nowhere to hide, so write me a lullaby."

Mittwoch, 4. September 2013

Die Mauer muss fallen.

In dieser großen, verkorksten Welt findet man nur noch selten Leute, die einigermaßen vernünftige Ideale besitzen. Ich hab mich immer zu eben jenen gezählt mit meiner naiven Weltsicht und dem Funken Hoffnung, den man versucht nicht aufzugeben. Ja, vielleicht hab ich früher zu viele Märchen gelesen, zu viel Disney gesehen und trotzdem gibt es ein paar Dinge, an die ich auf Teufel komm raus glauben möchte, denn wenn es sie nicht gibt, dann lohnt es sich nicht mehr in dieser Welt zu leben, sich den alltäglichen Kämpfen auszusetzen; dann kann man auch direkt resigniert und gleichgültig weiter machen. Für mich ist es der Glaube an ein Happy End, daran, jemanden zu finden, der zu einem gehört und zu dem du gehörst, damit man nicht mehr zwei Einzelne ist, sondern ein Gesamtes. Endlich komplett. Der Glaube daran, dass es Emotionen gibt, die Berge versetzen können, das Leben lebenswerter machen, zusammen alles möglich ist und dass es sich zu kämpfen lohnt. Weil es Gefühle gibt, die am Ende immer siegen. Aber ich bin müde vom Kämpfen, weil es bisher immer ein Kampf gegen Windmühlen war. Weil mein Glaube daran mich nicht hat aufhören lassen, als alle anderen mir schon mehrfach zubrüllten, dass ich's lassen soll. Weil ein Kampf um etwas keinen Sinn ergibt, wenn die andere Seite nur still steht oder gar weggeht. Dann verletzt man im Endeffekt höchstens sich selbst. Weil man jedes Mal gleich-blöd ist und jedes Mal glaubt, daraus gelernt zu haben, sich immer etwas mehr abschirmt und letztlich zu dem einen Punkt kommt, an dem für einen langsam alles ideal erscheint und der Andere sich wieder verkrümelt. Weil man so sehr an das Gute und die Kraft der Emotionen glaubt, dass man diesen einen Menschen langsam aber sicher zum Zentrum seiner Welt gemacht hat, weil alles Positive von ihm ausging. Weil du dort du sein konntest und dich dabei sogar gut fühltest und du das Gefühl hattest, vielleicht ein Stückchen kompletter zu sein; weil der andere Mensch so bezaubernd ist, dass du kein Haar an ihm ändern würdest und du automatisch lächeln musst, wenn er da ist. Weil du dir nichts Schöneres vorstellen kannst, als wenn du morgens neben ihm aufwachst und als erstes in diese schönen Augen blicken kannst und dich Zuhause fühlst. 
Und während du dich in dieses Gefühl und diese Vorstellung verrennst, passiert auf der anderen Seite etwas ganz anderes: Dieser Mensch zieht sich zurück und erbaut Mauern, die so hoch sind, dass du nur dagegen anrennst. Die mit jedem Tag höher werden, so dass du glaubst, gar nicht mehr auf die andere Seite zu kommen, an den anderen Menschen ran, obwohl du doch eigentlich nichts anderes willst. Weil du wieder alleine gegen Windmühlen kämpfst und entweder dein Glaube an die Macht der Gefühle doch nur ein Witz ist, den du einfach nicht wahrhaben willst oder aber sie nicht ausreichen. Du nicht ausreichst und trotzdem nicht schlau wirst, sondern täglich versuchst, die Mauern mit deinem Kopf einzurennen und dich dann wunderst, dass es nichts bringt, aber weh tut. Aber wenn du nicht kämpfst, dann würde es keiner tun und auch, wenn das vielleicht erwachsener und vernünftiger wäre, willst du es nicht zulassen, dass dieser eine Mensch hinter diesen Mauern bleibt und dir letztlich nichts anderes bleibt als abzuziehen. Kann man das einfach zulassen? Wieder einen Menschen, der dir so unglaublich viel bedeutet, einfach wieder aus deinem Leben verschwinden zu lassen? Und andererseits bist du es auch leid, den Menschen hinterher zu laufen, weil es bisher noch nie etwas brachte. Weil man es gar nicht müsste, wenn man genügen würde, wenn man ihnen so viel bedeuten würde wie du ihnen. Wann ist die Zeit, aufzugeben? Einzusehen, dass dein Glaube an all das eben doch das ist, wie es von den meisten behandelt wird: Kinderfantasien, Stoff, aus denen Geschichten gemacht werden, aber nicht real sind. Etwas, das nur bei Disney, Märchen und verkitschten Liebesfilmen existiert. Weil totale Hingabe nirgendwo sonst mehr existiert außer dort und bei dir und genau das dich wieder so allein macht.

"Dinge kommen, Dinge gehen, Sinn und Unsinn des Lebens. Kopf in den Wolken, Kopf im Sand, hoch geflogen und so oft verbrannt. Alles dreht sich und es dreht sich täglich, die Kraft in dir trägt und verrät dich. Mann im Spiegel - Hass oder Liebe? Er treibt dich vor sich her und er macht dich müde. Und du willst jemand anders sein, wer kann das sein? Mir fällt keiner ein - und du willst nicht machen, was du machst, trotzdem sitzt du wieder hier, schreibst die ganze Nacht. [...] Und ich schließe die Augen vor all diesen Fragen, weil es schwer ist die Zweifel auf den Schultern zu tragen. Also schließe ich die Augen, um an etwas zu glauben - ist es wert dich zu lieben und das Leben zu lieben, hier auf Wolke 7?"

Sonntag, 1. September 2013

Reden ist Silber, Schweigen ist schlecht.

Tagein tagaus der gleiche Trott. Versteckspiel vor der eigenen Familie und gleichzeitig beim Verstecken das Gefühl haben, alles breche über einen ein, wenn man hier nicht wieder raus geht, insgesamt mal raus kommt. Das Gefühl, innerlich zu platzen, weil sich so viel anstaut, über das man nicht redet, aber reden will. Nur mit wem? Wenn niemand da ist, bleiben nur Selbstgespräche übrig und die machen einfach rein gar nichts besser, immerhin weißt du ja schon, was los ist und was du dir selbst dazu sagen würdest. Aber wem soll man sich schon anvertrauen? Diejenigen, bei denen man es gerne würde, sind nicht erreichbar, nicht da. Diejenigen, die da sind, sind die Falschen. Denn so gern man sie auch hat, man würde einfach gern einmal ein paar Minuten über sich reden, ohne dass sie gleich alles auf sich selbst beziehen und man sich in Windeseile in der Position sieht, sie trösten zu müssen. Ihnen gut zuzureden. Egal wie nichtig es ist. Weil man eine gute Freundin ist, weil einem andere Menschen wichtig sind und selbst wenn es einem irgendwann auf die Nerven geht, man sagt nichts. Weil man ja selbst weiß, wie gern man es hätte, dass jemanden einfach nur mal zuhört. Vielleicht gut zuredet. Dafür muss man ja nicht mal physisch da sein. Oder wenn jemand physisch da ist, dann muss man vielleicht nicht mal wirklich reden, sondern einfach nur.. da sein. Umarmen. Einem nicht das Gefühl geben, alleine zu sein, egal was ist. Weil es kaum etwas Schlimmeres gibt als das Gefühl alleine zu sein, ohne einen Ort, wo man hin kann, einfach mal fliehen und wenn es nur zu einer Person ist und nicht zu einem Platz. Denn wenn man allein an diesem Platz ist, ist man noch immer einsam, noch immer mit dem Gefühl unterwegs zu platzen, weil man nicht reden kann.

"Weil es nicht so leicht ist nur der zu sein, der du als Kind schon werden solltest. Denn was du erreicht hast ist so zu sein, wie du als Kind nie werden wolltest: Nämlich allein. Ständig allein. Schrecklich allein. Ewig allein. Verdammt dazu allein zu sein, ein ganzes Leben lang allein, sieh dich doch um, sieh endlich ein, du bist allein, du bleibst allein, allein." 
Man ist das, vor dem man im Leben eigentlich immer am meisten Angst hatte: auf sich gestellt, ziellos, überfordert und nicht glücklich, weil einem die Menschen fehlen, die einen glücklich machen. Aus welchen Gründen auch immer. Gibt immerhin gerechtfertigte Gründe und andere, die man nicht versteht. Die sogar noch Witze über dich reißen, obwohl sie wissen, dass es für sowas grad nicht der richtige Zeitpunkt ist. Jepp, definitiv die falschen Leute zum drüber reden oder zum um dich haben wollen. Und weil alles so ist wie es ist, sind die zweifelnden Stimmen allgegenwärtig. Warum ist es denn so? Wieso kriegst du selbst eigentlich nichts auf die Reihe und warum haben andere Leute diese Menschen, wenn sie die brauchen? Was ist das Problem mit dir und der Welt?

"Du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er, du wärst gern jemand anders - Hauptsache irgendwer.[...] Glück ist zerbrechlich, fass es vorsichtig an - wie Porzellan."
Man sieht sich eigentlich als Mensch, der das Glück aus den kleinen Dingen im Leben zieht. Genügsam, gerne ein Lachen auf dem Gesicht und schon fröhlich, wenn man bei Sonnenschein einen Spaziergang machen kann, der einen selbst frei macht. Doch wenn man selbst so überläuft von all dem Negativen, das man nirgendwo rauslassen kann oder darf oder soll, dann sind diese Momente nicht mehr fassbar. Dann erlösen sie nicht mehr, machen nicht mehr glücklich. Weil sie nicht als Ventil für solche Emotionen geeignet sind und das, was geeignet wäre, ist auch nicht mehr in Reichweite. Denn es entgleitet einem alles, verfremdet sich und man kann sich selbst nur dabei zusehen, wie man den Halt an allem, das einem eine Rücklage gibt, verliert. Wahrscheinlich ist man's ja auch noch selbst Schuld - nicht nur das, sondern das es einem auch ansonsten schlecht geht. Nicht genug Selbstbewusstsein besitzt, um über den Dingen zu stehen oder weil einem Dinge so unglaublich wichtig sind, auf die man doch keinen Einfluss hat. Weil einem nur noch übrig bleibt zu hoffen, auf irgendwas, irgendwie. Dem Pessimismus und der eigenen Traurigkeit keinen Platz geben, denn es gibt eh keinen Ort, an dem man es einmal herauslassen kann, sondern nur in sich rein frisst. Sich selbst damit um den Schlaf bringt, heult und sich dann fragt, warum man das eigentlich tut. Weil man sich falsch fühlt, im Gesamten, mit jedem Aspekt deines Seins, einfach nur falsch. Doch genauso fühlt man sich falsch, weil man darüber traurig ist, es sich zu Herzen nimmt, denn was für ein Recht auf sowas hast du schon? Interessiert erstens eh niemanden und zweitens ändert es doch eh nichts. Und doch tut jeder einzelne weitere Gedanke immer mehr weh, weil man an der eigenen Verzweiflung über sich, sein Umfeld, sein Leben und allem, was gerade schief läuft, erstickt. Weil man nicht reden kann. Weil der Satz "Da muss ich allein durch" Blödsinn ist. Außer eben, wenn keiner da ist.
"Die Zeit heilt was sie kann - doch nichts für immer. Und mir bleibt nur die Nacht, nur die Nacht und traurige Lieder, du fehlst mir. Nichts ist wie es war und man sagt 'Es wird schon wieder', doch es stimmt nicht, nichts wird wie es war."