In dieser großen, verkorksten Welt findet man nur noch selten Leute, die einigermaßen vernünftige Ideale besitzen. Ich hab mich immer zu eben jenen gezählt mit meiner naiven Weltsicht und dem Funken Hoffnung, den man versucht nicht aufzugeben. Ja, vielleicht hab ich früher zu viele Märchen gelesen, zu viel Disney gesehen und trotzdem gibt es ein paar Dinge, an die ich auf Teufel komm raus glauben möchte, denn wenn es sie nicht gibt, dann lohnt es sich nicht mehr in dieser Welt zu leben, sich den alltäglichen Kämpfen auszusetzen; dann kann man auch direkt resigniert und gleichgültig weiter machen. Für mich ist es der Glaube an ein Happy End, daran, jemanden zu finden, der zu einem gehört und zu dem du gehörst, damit man nicht mehr zwei Einzelne ist, sondern ein Gesamtes. Endlich komplett. Der Glaube daran, dass es Emotionen gibt, die Berge versetzen können, das Leben lebenswerter machen, zusammen alles möglich ist und dass es sich zu kämpfen lohnt. Weil es Gefühle gibt, die am Ende immer siegen. Aber ich bin müde vom Kämpfen, weil es bisher immer ein Kampf gegen Windmühlen war. Weil mein Glaube daran mich nicht hat aufhören lassen, als alle anderen mir schon mehrfach zubrüllten, dass ich's lassen soll. Weil ein Kampf um etwas keinen Sinn ergibt, wenn die andere Seite nur still steht oder gar weggeht. Dann verletzt man im Endeffekt höchstens sich selbst. Weil man jedes Mal gleich-blöd ist und jedes Mal glaubt, daraus gelernt zu haben, sich immer etwas mehr abschirmt und letztlich zu dem einen Punkt kommt, an dem für einen langsam alles ideal erscheint und der Andere sich wieder verkrümelt. Weil man so sehr an das Gute und die Kraft der Emotionen glaubt, dass man diesen einen Menschen langsam aber sicher zum Zentrum seiner Welt gemacht hat, weil alles Positive von ihm ausging. Weil du dort du sein konntest und dich dabei sogar gut fühltest und du das Gefühl hattest, vielleicht ein Stückchen kompletter zu sein; weil der andere Mensch so bezaubernd ist, dass du kein Haar an ihm ändern würdest und du automatisch lächeln musst, wenn er da ist. Weil du dir nichts Schöneres vorstellen kannst, als wenn du morgens neben ihm aufwachst und als erstes in diese schönen Augen blicken kannst und dich Zuhause fühlst.
Und während du dich in dieses Gefühl und diese Vorstellung verrennst, passiert auf der anderen Seite etwas ganz anderes: Dieser Mensch zieht sich zurück und erbaut Mauern, die so hoch sind, dass du nur dagegen anrennst. Die mit jedem Tag höher werden, so dass du glaubst, gar nicht mehr auf die andere Seite zu kommen, an den anderen Menschen ran, obwohl du doch eigentlich nichts anderes willst. Weil du wieder alleine gegen Windmühlen kämpfst und entweder dein Glaube an die Macht der Gefühle doch nur ein Witz ist, den du einfach nicht wahrhaben willst oder aber sie nicht ausreichen. Du nicht ausreichst und trotzdem nicht schlau wirst, sondern täglich versuchst, die Mauern mit deinem Kopf einzurennen und dich dann wunderst, dass es nichts bringt, aber weh tut. Aber wenn du nicht kämpfst, dann würde es keiner tun und auch, wenn das vielleicht erwachsener und vernünftiger wäre, willst du es nicht zulassen, dass dieser eine Mensch hinter diesen Mauern bleibt und dir letztlich nichts anderes bleibt als abzuziehen. Kann man das einfach zulassen? Wieder einen Menschen, der dir so unglaublich viel bedeutet, einfach wieder aus deinem Leben verschwinden zu lassen? Und andererseits bist du es auch leid, den Menschen hinterher zu laufen, weil es bisher noch nie etwas brachte. Weil man es gar nicht müsste, wenn man genügen würde, wenn man ihnen so viel bedeuten würde wie du ihnen. Wann ist die Zeit, aufzugeben? Einzusehen, dass dein Glaube an all das eben doch das ist, wie es von den meisten behandelt wird: Kinderfantasien, Stoff, aus denen Geschichten gemacht werden, aber nicht real sind. Etwas, das nur bei Disney, Märchen und verkitschten Liebesfilmen existiert. Weil totale Hingabe nirgendwo sonst mehr existiert außer dort und bei dir und genau das dich wieder so allein macht.
"Dinge kommen, Dinge gehen, Sinn und Unsinn des Lebens. Kopf in den Wolken, Kopf im Sand, hoch geflogen und so oft verbrannt. Alles dreht sich und es dreht sich täglich, die Kraft in dir trägt und verrät dich. Mann im Spiegel - Hass oder Liebe? Er treibt dich vor sich her und er macht dich müde. Und du willst jemand anders sein, wer kann das sein? Mir fällt keiner ein - und du willst nicht machen, was du machst, trotzdem sitzt du wieder hier, schreibst die ganze Nacht. [...] Und ich schließe die Augen vor all diesen Fragen, weil es schwer ist die Zweifel auf den Schultern zu tragen. Also schließe ich die Augen, um an etwas zu glauben - ist es wert dich zu lieben und das Leben zu lieben, hier auf Wolke 7?"

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