Tagein tagaus der gleiche Trott. Versteckspiel vor der eigenen Familie und gleichzeitig beim Verstecken das Gefühl haben, alles breche über einen ein, wenn man hier nicht wieder raus geht, insgesamt mal raus kommt. Das Gefühl, innerlich zu platzen, weil sich so viel anstaut, über das man nicht redet, aber reden will. Nur mit wem? Wenn niemand da ist, bleiben nur Selbstgespräche übrig und die machen einfach rein gar nichts besser, immerhin weißt du ja schon, was los ist und was du dir selbst dazu sagen würdest. Aber wem soll man sich schon anvertrauen? Diejenigen, bei denen man es gerne würde, sind nicht erreichbar, nicht da. Diejenigen, die da sind, sind die Falschen. Denn so gern man sie auch hat, man würde einfach gern einmal ein paar Minuten über sich reden, ohne dass sie gleich alles auf sich selbst beziehen und man sich in Windeseile in der Position sieht, sie trösten zu müssen. Ihnen gut zuzureden. Egal wie nichtig es ist. Weil man eine gute Freundin ist, weil einem andere Menschen wichtig sind und selbst wenn es einem irgendwann auf die Nerven geht, man sagt nichts. Weil man ja selbst weiß, wie gern man es hätte, dass jemanden einfach nur mal zuhört. Vielleicht gut zuredet. Dafür muss man ja nicht mal physisch da sein. Oder wenn jemand physisch da ist, dann muss man vielleicht nicht mal wirklich reden, sondern einfach nur.. da sein. Umarmen. Einem nicht das Gefühl geben, alleine zu sein, egal was ist. Weil es kaum etwas Schlimmeres gibt als das Gefühl alleine zu sein, ohne einen Ort, wo man hin kann, einfach mal fliehen und wenn es nur zu einer Person ist und nicht zu einem Platz. Denn wenn man allein an diesem Platz ist, ist man noch immer einsam, noch immer mit dem Gefühl unterwegs zu platzen, weil man nicht reden kann.
"Weil es nicht so leicht ist nur der zu sein, der du als Kind schon werden solltest. Denn was du erreicht hast ist so zu sein, wie du als Kind nie werden wolltest: Nämlich allein. Ständig allein. Schrecklich allein. Ewig allein. Verdammt dazu allein zu sein, ein ganzes Leben lang allein, sieh dich doch um, sieh endlich ein, du bist allein, du bleibst allein, allein."
Man ist das, vor dem man im Leben eigentlich immer am meisten Angst hatte: auf sich gestellt, ziellos, überfordert und nicht glücklich, weil einem die Menschen fehlen, die einen glücklich machen. Aus welchen Gründen auch immer. Gibt immerhin gerechtfertigte Gründe und andere, die man nicht versteht. Die sogar noch Witze über dich reißen, obwohl sie wissen, dass es für sowas grad nicht der richtige Zeitpunkt ist. Jepp, definitiv die falschen Leute zum drüber reden oder zum um dich haben wollen. Und weil alles so ist wie es ist, sind die zweifelnden Stimmen allgegenwärtig. Warum ist es denn so? Wieso kriegst du selbst eigentlich nichts auf die Reihe und warum haben andere Leute diese Menschen, wenn sie die brauchen? Was ist das Problem mit dir und der Welt?
"Du wärst gern wie sie, du wärst gern wie er, du wärst gern jemand anders - Hauptsache irgendwer.[...] Glück ist zerbrechlich, fass es vorsichtig an - wie Porzellan."
Man sieht sich eigentlich als Mensch, der das Glück aus den kleinen Dingen im Leben zieht. Genügsam, gerne ein Lachen auf dem Gesicht und schon fröhlich, wenn man bei Sonnenschein einen Spaziergang machen kann, der einen selbst frei macht. Doch wenn man selbst so überläuft von all dem Negativen, das man nirgendwo rauslassen kann oder darf oder soll, dann sind diese Momente nicht mehr fassbar. Dann erlösen sie nicht mehr, machen nicht mehr glücklich. Weil sie nicht als Ventil für solche Emotionen geeignet sind und das, was geeignet wäre, ist auch nicht mehr in Reichweite. Denn es entgleitet einem alles, verfremdet sich und man kann sich selbst nur dabei zusehen, wie man den Halt an allem, das einem eine Rücklage gibt, verliert. Wahrscheinlich ist man's ja auch noch selbst Schuld - nicht nur das, sondern das es einem auch ansonsten schlecht geht. Nicht genug Selbstbewusstsein besitzt, um über den Dingen zu stehen oder weil einem Dinge so unglaublich wichtig sind, auf die man doch keinen Einfluss hat. Weil einem nur noch übrig bleibt zu hoffen, auf irgendwas, irgendwie. Dem Pessimismus und der eigenen Traurigkeit keinen Platz geben, denn es gibt eh keinen Ort, an dem man es einmal herauslassen kann, sondern nur in sich rein frisst. Sich selbst damit um den Schlaf bringt, heult und sich dann fragt, warum man das eigentlich tut. Weil man sich falsch fühlt, im Gesamten, mit jedem Aspekt deines Seins, einfach nur falsch. Doch genauso fühlt man sich falsch, weil man darüber traurig ist, es sich zu Herzen nimmt, denn was für ein Recht auf sowas hast du schon? Interessiert erstens eh niemanden und zweitens ändert es doch eh nichts. Und doch tut jeder einzelne weitere Gedanke immer mehr weh, weil man an der eigenen Verzweiflung über sich, sein Umfeld, sein Leben und allem, was gerade schief läuft, erstickt. Weil man nicht reden kann. Weil der Satz "Da muss ich allein durch" Blödsinn ist. Außer eben, wenn keiner da ist.
"Die Zeit heilt was sie kann - doch nichts für immer. Und mir bleibt nur die Nacht, nur die Nacht und traurige Lieder, du fehlst mir. Nichts ist wie es war und man sagt 'Es wird schon wieder', doch es stimmt nicht, nichts wird wie es war."

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