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Sonntag, 8. September 2013

Wenn Schweigen weh tut.

Es gibt nur wenige Menschen, mit denen Schweigen angenehm sein kann. Wenn ich ehrlich bin, habe ich davon erst drei kennen gelernt, zwei davon waren nur Kurzauftritte und die Befürchtung, dass für den Dritten auch bald der Vorhang fällt, wird immer größer. Dabei ist es so eine schöne Sache, nicht miteinander reden zu müssen, um sich zu verstehen, weil man sich sonst einfach auch viel zu sagen hat und dann auch ruhig mal Pause sein darf. Weil es reicht, sich in die Augen zu sehen oder sich kurz zuzulächeln, alles um sich herum zu genießen und vor allen Dingen die Gesellschaft dieser Person. Ich finde es schwer, jemanden zu finden, bei dem das nicht unangenehm ist. Wo man nicht das Bedürfnis hat, Stille mit irgendeinem Small Talk-Quatsch zu überbrücken oder seltsame Gespräche zu führen, die einfach an den Haaren herbei gezogen sind. Man kann einfach bei sich und beieinander sein und das ist ein wunderbares Gefühl. 
Aber Schweigen kann mit genau einer solchen Person auch absolut schlimm sein. Wenn man so viel zu sagen hat, aber nicht dazu kommt. Wenn man wichtige Fragen stellt, die nicht beantwortet werden oder Themen anspricht, die einem auf der Seele lastet und nur mit noch mehr Schweigen belohnt wird.Weil das Herz einfach irgendwann überläuft und Dinge raus müssen und einst hatte man sich geschworen, nie wieder sich so verletzlich zu machen, wenn man nicht weiß, wie wichtig man dem anderen Menschen überhaupt ist und weil man schon einmal sich so furchtbar geöffnet hat, um letztendlich nur dumm angeblinzelt und im Anschluss ignoriert zu werden. Und dann ist es wieder übergelaufen, bei einem anderen Menschen und zumindest dachte man dort, auf offene Ohren zu stoßen. Irgendeine Reaktion zu bekommen, die, die nicht nur aus Schweigen besteht, sondern zumindest um ehrliche Gedanken - und wenn es nur ein 'Ich bin gerade überfordert, bitte lass mir was Zeit, aber ich werd was dazu sagen' ist. Okay, ich geb zu, ich weiß selbst nicht, ob das alles so richtig ist, was da raus kam, aber es musste raus; und eigentlich hätte es vielleicht sogar mal aus der Reserve locken sollen, doch die Antwort ist noch mehr Distanz und der mitschwingende Subtext, dass du wieder deine Worte vergeudet hast, weil sie nicht gehört und erst recht nicht beantwortet werden wollen. Und dieses Schweigen straft mehr als alles andere: Wut, Enttäuschung, Traurigkeit; weil man nicht weiß, was es bedeutet, ob es nicht reine Gleichgültigkeit ist oder nur einfaches Zeit nehmen. Insgeheim macht man sich dann auch noch selbst Vorwürfe, nicht einfach wie sonst immer den Mund gehalten zu haben, weil es alles nur schlimmer macht, weil nun noch mehr Distanz da ist als eh schon, weil man vielleicht das letzte Verbindungsstück somit kaputt geschlagen hat. Weil die Gefühle nicht einfach weggehen, weil dieser Jemand immer noch der erste und letzte Gedanke an jedem Tag ist und die Vorstellung, zusammen mit diesem Jemand einschlafen und aufwachen zu können in den ziemlich schlaflosen Nächten doch noch immer das Mittel ist, das funktioniert, um zufrieden einzuschlafen, auch wenn die Realität immer ferner davon abrückt. Weil man den Mund nicht gehalten hat. Weil man mit Schweigen belohnt wurde, das eigentlich schon so viel und doch so wenig sagt. Weil man nicht miteinander reden kann, warum auch immer. 

"Come on write me a song, give me something to trust. Just promise you won't let it be just the keys that you touch. Give me something to believe in, a breath from the breathing. So write it down, I don't think that I'll close my eyes 'cause lately I'm not dreaming so what's the point in sleeping? It's just that at night I've got nowhere to hide, so write me a lullaby."

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