Doch wer kennt es nicht? Da war diese eine Person, vielleicht die beste Freundin, die erste Liebe, Verwandte, bei denen man dachte: das hält ewig. Aber mal ehrlich, was ist heute noch ewig? Das Blöde ist nur, dass man sich genau diesen Leuten immer am Verbundensten gefühlt hat – warum sollte man sonst wohl auch glauben, dass sich daran nie etwas ändert?! Dass das eine Kleinkindersicht zu sein scheint, ist auch mir in meinen relativ jungen Jahren bereits aufgefallen, denn das Leben wäre nicht das Leben, würde man solche Verbindungen einfach in Frieden lassen. Irgendwas muss passieren, sei es nun vom Schicksal vorherbestimmt oder einfach nur eine miese Laune von Fortuna, der langweilig war und ein paar Menschen ärgern wollte. Doch es wird etwas kommen, dass all die früheren Worte zu Schall und Rauch werden lässt. Es kommen immer wieder die Scheidewege, an denen man sich in verschiedene Richtungen bewegt und doch wird dort noch immer laut verkündet, dass man doch den Kontakt halten würde. Schaut man sich ein Jahr oder vielleicht zwei später noch einmal um, so wird man feststellen, was davon übrig geblieben ist: Geburtstagsglückwünsche, frohe Weihnachten und schöne Ostern. Das für immer und ewig war wahrlich nur von kurzer Dauer, verblüffend, wenn man sich doch an große Abschiedsreden erinnerte, in denen es hieß, wie wichtig man einander doch sei. Und hätte man nicht selbst der anderen Person nicht noch tausende Male in den Allerwertesten getreten, so wäre der Kontakt wohl auch schon wieder viel früher abgebrochen. Traurig, aber wahr. Immer getreu dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Manchmal frage ich mich, ob nur ich da die Ausnahme der Regel zu sein scheine, die auch nach langer Zeit sich noch fragt, was denn damals schief gelaufen sei – außer natürlich, dass man getrennte Wege gehen musste. Wäre das nicht gewesen, dann wäre sicherlich alles anders geworden, doch hätte, hätte, Fahrradkette.
Daraus resultiert eine Frage, die sich mir eigentlich schon förmlich aufdrängt: Macht es da überhaupt noch Sinn, irgendjemanden an sich heran zu lassen? Immerhin rummst es anscheinend immer irgendwann, aus welchem Grund auch immer; weil man sich auseinander gelebt hat, weil der Lebensgefährte/Freund/Freundin/was-auch-immer/Lebensstil wesentlich den Charakter beeinflusst hat, weil man umziehen musste, weil manche mehr geben als nehmen oder, oder, oder. Erst in solchen Situationen zeigt sich doch eigentlich erst der wahre Charakter eines Menschen, von dem man vorher geglaubt hatte, ihn zu kennen. Für manche mögen Worte dann nur Schall und Rauch sein, halten sich an nichts, das versprochen wurde oder aber sagen erst gar nichts. Immerhin gibt es dann ja auch nichts, was man brechen könnte, weswegen man sich später auch keine Vorhaltungen wegen gebrochener Versprechen anhören muss. Aber gerade an solchen Punkten, an denen man genau weiß, dass ein geliebter Mensch weiterziehen wird und das ohne einen oder zumindest in einem geringeren Maße, wieso kann man sich nicht gerade da einmal die Zeit nehmen und ehrlich sein? Wollte man jemanden schon immer mal die Meinung geigen, dann vielleicht besser jetzt, denn danach wird der Kontakt eh abbrechen. Oder man ist so ehrlich und sagt einfach „Hey, ich bin scheiße im Kontakt halten, aber bis jetzt warst du mir wichtig. Keine Ahnung wie das in drei Wochen sein wird.“ Klingt scheiße, wäre aber wenigstens die Wahrheit und besser als das ewige Herumgeheuchel. Oder das beharrliche Ausschweigen. Denn das ist auch keinen Deut besser, besonders wenn man selbst genug Schneid hatte, die Wahrheit zu sagen – und das aus vollem Herzen. Wenn man sich für all das bedankt, was der andere einem ermöglicht hat, für einen getan hat und es ihm nie wirklich honoriert wurde und man einfach alles sagen wollte, bevor man sich vielleicht nie wieder sieht. Aber keine Antwort ist eben auch eine Antwort, kombiniert mit der alten Einsicht: Vielleicht hat man sich ja im Menschen dahinter geirrt. Vielleicht war dem doch das alles nicht so wichtig, wie man es selbst wahrgenommen hatte. Und schon steht man wieder da, ist der Depp vom Dienst, weil man anscheinend als Einziger ein Problem damit hat, dass die Wege auseinander gehen werden. Dass einem als einziger ein Stich versetzt wird bei den Erinnerungen an die letzten Zeiten, die man gemeinsam hatte; und eine Frage, die sich dann auch stellt: Ist man ein Egoist, weil man an die Zeiten festhalten will und somit vielleicht den anderen am weitermachen hindert oder ist der dann der Egoist, weil er einen einfach zurückgelassen hat? Wer ist der Gute, wer ist der Böse in diesem Spiel oder ganz einfach: wer ist der Blöde? Klammert der eine oder verdrängt der andere, vergisst vielleicht oder hat nie realisiert, wie es mal war?
Eines jedenfalls weiß ich: Ich hab ein erhebliches Talent dafür, als Verlierer aus dieser Situation herauszukommen. Immer wieder verschwinden Menschen, die einen wichtigen Teil im Leben ausgemacht haben. Und während man selbst dann droht in Melancholie zu versinken, schaut man den anderen dabei zu, wie sie fröhlich so weitermachen, als wäre nichts gewesen. Ist es einem bei vielen Menschen auch egal, dass sie wieder irgendwo in der Masse verschwinden, so gibt es doch immer wieder diese schmerzhaften Trennungen, die einen doch wieder fragen lassen, warum eine solche „schwerwiegende Trennung“ eigentlich sein muss.
Mittwoch, 27. Juli 2011
Das Mysterium der Menschen, die kommen und wieder gehen.
Tja, da mag wohl mancher den Kopf schütteln, dass ein Mädel, dass noch kein viertel Jahrhundert alt ist, meint, hier ihren Senf beigeben zu müssen – aber hey, auch ich habe viele Menschen kommen und gehen sehen. Viele von ihnen waren nur drei-Sekunden-Begegnungen auf der Straße, die erst auf einen zukamen, dann auf gleicher Höhe mit einem waren und dann wieder gingen. Aber das sind nicht die Begegnungen, die ich meine. Diejenigen, um die es mir hier geht, sind vielmehr die Menschen, die wirklich etwas in einem bewegt haben. Die einem am Herzen lagen. Und die einfach so wieder weg sind. Nicht im Sinne, dass sie gestorben wären, nein, von solchen Erfahrungen bin ich glücklicherweise bisher noch verschont geblieben (bzw. war zu jung, um mich daran zu erinnern). Sicher, sie kommen noch eines Tages, denn wenn eines gewiss ist, dann ist es der Tod. Aber da dies eben Erfahrungen sind, die ich noch nicht gemacht habe, möchte ich mich schon allein im Respekt gegenüber aller, die jemanden Geliebtes verloren haben, nicht einmal anmaßen, es auch nur etwas anzuschneiden. Also weg damit.
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