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Montag, 6. September 2021

Kapitel für Kapitel.

 Zwei Jahre Stille. Zwei Jahre nichts. Du hast dich damals mit den Worten verabschiedet, dass du das Kapitel von uns schließen und nie wieder reingucken willst. Dass du mich vergessen willst. Ich höre es noch genau in meinen Ohren; als wenn all das - du, ich, wir - nie was wert gewesen wäre und du uns für nichts und wieder nichts durch die Hölle geschickt hast. Wie du meintest, ich wäre das Symptom deiner psychischen Probleme. Was im Übrigen der schlimmste Satz ist, den man mir jemals vor die Füße geworfen hat. Bei dem ich lange gebraucht habe, um nun bitter auflachen zu können statt bitterlich zu weinen. Dein letzter großer Tiefschlag gegen mich. Damit hast du damals alles entwertet und all das, was ich mit dir, für dich, wegen dir durchgemacht habe, ins Lächerliche gezogen. Ich seh dich immer noch vor mir sitzen, höre es dich immer noch sagen. Das hat mich fertig gemacht. Und jetzt, zwei Jahre später, hängst du auf meinem Instagram-Profil rum. So viel also dazu, dass du das Kapitel zugemacht hast. Likest ein Bild, ziehst es zurück, blockierst mich. Als wenn ich was falsch gemacht hätte, weil du dir mein Profil anschaust. Was soll das? Was willst du mir damit sagen? Dass du mich damals angelogen hast, als du meintest, es wäre alles nie echt gewesen? Oder dass du dein Gewissen beruhigen willst, indem du jetzt meinst, dass mein Leben ja doch ganz gut läuft? Denn wenn dem so ist, dann vergiss es. Du hast riesige Narben hinterlassen, Traurigkeit, Selbstzweifel. Einen trüben Schleier über vieles, das ich tue, erlebe, denke gelegt. Es fühlt sich mittlerweile alles fragil an, mein Glück, meine Nerven, meine Launen, jedes Lachen. Ich bin nicht mehr so wie früher. Du hast mich verändert. Ich weine immer noch ab und an einfach so wegen dir und all dem, was war; das Gute, das Schlechte und alles, was gelogen und echt war. Also wenn du nur da warst, um dich selbst zu beruhigen, dass es mir ja auch so ganz gut geht ohne dich: Ja, ich komme mittlerweile klar. Aber der Weg dahin war scheiße. Mein Kampf ist immer noch lange nicht vorbei. Es hat mich viel gekostet, bis hierhin zu kommen, um halbwegs über dich hinweg zu kommen und die Leerstelle, die du auch als Freund hinterlassen hast, besser ignorieren zu können. Und nein, das macht all das Geschehene keinen Deut besser, entschuldigt nichts. Es verzeiht nichts. Aber dir war es ja sowieso nie wichtig, dich einmal aufrichtig für all das zu entschuldigen, was du mit mir angestellt hast. Auch wenn ich mir so viel Rückgrat immer gewünscht habe.

Also, was sollte deine Aktion jetzt? Ein kurzer Blick, ob du immer noch die Kontrolle über mich hast? Ob du jetzt mit dir selbst besser leben kannst? Oder ist dir einfach aufgefallen, dass es vielleicht doch echter war, als du es uns zugestehen wolltest? Ich habe aufgegeben, dich verstehen zu wollen. Ich will nicht darüber nachdenken, was du dort zu suchen hattest, ob du dich ärgerst oder erleichtert bist und trotzdem tue ich es. Erst Recht, weil du und deine Perle nachweislich beide innerhalb von 48 Stunden auf meinem Profil wart, wie billige Voyeure, die wissen wollen, wer von uns das bessere Karma erwischt hat. Sprecht ihr über uns? Lästert ihr? Bringt euch das irgendwas? Amüsiert ihr euch oder fühlt ihr euch bedroht? Und warum blockierst du mich direkt danach wieder, als wenn ich was falsch gemacht hätte? Als wenn meine Existenz etwas Schlimmes wäre. Als wenn ich dich in die Scheiße geritten hätte statt anders herum. Als würde ich das alles nicht merken. Für wie dumm hältst du mich? Ich habe dich in Ruhe gelassen. Meine Gefühle und Gedanken, wenn ich sie nicht mehr ausgehalten habe, niedergeschrieben, so wie jetzt. Ich kann nicht einfach das Kapitel zumachen, abschließen, nie wieder dran zurückdenken, so wie du es damals wolltest. Das geht einfach nicht. Du bist kein Kapitel bei mir, sondern ein ganzes Buch. Die Grundlage der Hauptgeschichte. Du warst mir zu wichtig und hast mir zu sehr weh getan. Und du bist immer noch überall zu präsent. Und leider, leider, leider schaffst du es, mich mit nur so etwas Blödem wie einem "Like" komplett aus der Fassung zu bringen. Wenn du noch irgendwas zu sagen hast, dann sag es. Aber hör auf, irgendwelche Spielchen zu spielen. Mich ohne Grund an die Vergangenheit erinnern zu müssen; das brauche ich nicht, das weiß ich auch so. Wie könnte ich das alles jemals vergessen? Ich trage es jeden Tag mit mir.


"I waited for something and something died. So I waited for nothing and nothing arrived."

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