Es ist so traurig festzustellen, wie gut man alles abblocken kann. Man muss eben nur oft genug verletzt werden und merken, wie gut jemand anderes auch alles von sich weist. Und es geht auch einfach gar nicht anders, denn ansonsten würden zufällige Begegnungen oder Gespräche, die sich doch entgegen aller Erwartungen entwickeln, einfach zu sehr weh tun. Die abweisende Art, der harsche Tonfall, Blicke, die alle frühere Vertrautheit irgendwie in Frage stellen. Die jegliche jemals existente Nähe wie eine Einbildung erscheinen lässt, einen schönen Traum, etwas, das jemand ausradiert hat und wo du nur noch die Druckstellen vom Bleistift irgendwo tief in deiner Seele findest. Aber wenigstens tut es nicht mehr weh, wenn so mit dir geredet und umgegangen wird, denn du hast auch gemauert. Gemauert was das Zeug hält, höher denn je - und auch, wenn du am Liebsten dir alles von der Seele reden würdest, wenn du diese Person siehst, so tust du es nicht. Nur zwei drei Infos einstreuen und die ganzen unwichtigen Dinge, die du ihm trotzdem erzählen willst, die lässt du bleiben. Wie etwa, dass noch immer Sand vom Strand in deinen Schuhen steckt, von dem Tag, an dem ihr dort zusammen laufen wart. Dass du gegen eine Tür gelaufen bist oder wie sehr du deinen Bruder vermisst hast und dich irgendwo in der Ecke, in der du gerade noch etwas empfinden kannst, freust, dass er wieder da ist. Wie der kommende Uni-Stundenplan aussieht oder dass du gerne mit ihm picknicken gehen würdest, einen Drachen steigen lassen. Dass du von neuen Tieren wieder mal zur Kraulexpertin gekürt wurdest; Dinge wie die täglichen Streits zuhause oder dein ständig leeres Gefühl, die willst du ja nicht mal anreißen. Oder wie sehr du diese Person vermisst und das, was da zwischen euch war. Ihm in die Augen gucken zu können ohne dort all die Distanz zu sehen, die plötzlich da ist. Er hat gemauert, du hast gemauert und plötzlich weißt du nicht mal mehr, ob du zu ihm hingehen und ihn umarmen kannst, was früher irgendwie schon selbstverständlich war. Aber du traust es dich nicht; weil deine Mauern wieder fallen und seine noch weiter wachsen könnten und im Endeffekt du nur noch mehr verletzt bist. Dabei hast du ja nicht einmal etwas, das man ihm vorwerfen könnte - wenn man diese Distanz will, dann ist das eben so. Nur du selbst gehst daran kaputt, weil man wie schon so oft davor einfach aus Leben anderer ausradiert, vergessen und ignoriert wird und man sich geschworen hat, dass einem das nie wieder in so einem Maße passiert. Und irgendwo hat man noch Recht behalten, denn diesmal ist es sogar noch viel schlimmer.
Aber deswegen mauerst du. Weil er gemauert hat. Und dann steht man sich gegenüber und lässt den verletzenden Tonfall an sich abprallen, ist selbst resigniert, hat aufgegeben und versucht einfach nur, all das nicht weiter an einen ran zu lassen. Aber es fühlt sich absurd, falsch an, denn wo mal so viel Nähe und Vertrauen war, ist so schnell wie es damals gekommen ist nun eine Barriere erschienen. Und die sollte nicht da sein, sollte wieder verschwinden, aber sie tut es nicht, sondern wird nur größer und größer und größer. Es ist so absurd, dass Leute, die sich doch eigentlich nahe standen, von 100 auf 0 in drei Sekunden zurück gehen, wo doch eigentlich zumindest zwischen den beiden nichts vorgefallen ist, das es rechtfertigen würde. Natürlich kann ich verstehen, dass man mal Abstand braucht, aber jemanden völlig aus seinem Leben zu eliminieren ist etwas Anderes und auch, dass man einfach jeden normalen Umgang weiter abblockt. Aber ich maure auch, immer weiter, immer höher, in der Hoffnung, dass zumindest so mich niemand mehr verletzen kann. Niemand mehr so nahe an mich rankommt, dass solch abweisendes Verhalten mir so weh tun kann. Damit der "Ungenügend"-Stempel mich nicht jedes Mal weiter runter drückt, wenn wieder jemand kommt, mich in den Menschen insgesamt absolut vernarrt macht und dann wieder geht. Ohne die kleinste Spur der Hoffnung zu hinterlassen oder einem einen Lichtblick zu geben, der einem sagt, dass er in dein Leben zurück kommt, darin enthalten sein will. Weil du lieber weiter emotional einfach nur abstumpfst, so traurig es ist, anstatt dich immer wieder so verletzen zu lassen, denn genau dieses Kommen und Gehen ist immer das, vor dem du am Meisten in deinem Leben Angst gehabt hast. So traurig es ist, aber so sind die Mauern, die bis in den Himmel reichen, wohl doch nur die einzige Möglichkeit, die dir noch übrig bleibt.

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