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Dienstag, 1. März 2016

Gedankenpause.

Manchmal halte ich mich selbst schon für ziemlich bescheuert. Wie etwa momentan. Denn ich denke darüber nach, dass ich für meine Verhältnisse momentan ziemlich wenig nachdenke. Mir Dinge nicht kaputt fachsimpel, mich in irgendwelchen Gedankenkonstrukten verliere und jede verstrichene Millisekunde in mindestens fünf hypothetische Deutungsweisen auslege. Und ich find das ziemlich gut. Denn das ist anstrengend, es zehrt einen auf und lässt einen immer weiter nachgrübeln über das, was wohl vielleicht das Richtige ist oder ob man doch etwas falsch verstanden hat oder ob man selbst eigentlich überhaupt angemessen auf irgendwas reagiert. Aber momentan ist mir das alles egal. Ich wundere mich da selbst drüber und verstehe nicht, wo das auf einmal herkommt, aber es darf gern noch eine ganze Weile bleiben. Dadurch wird das Leben nämlich direkt noch einen Ticken schöner und ich vor allen Dingen auch viel entspannter. Und das tut mir und meiner Seele gerade ziemlich gut.
Vielleicht entwickel ich mich gerade wirklich weiter. Eigentlich hab ich mir in den letzten Jahren eine Art und Weise zu Eigen gemacht, mit welcher ich mich selbst einigel und alle mehr oder weniger wissen lasse, wie fragil und verletzlich ich eigentlich bin und dass ich es drauf habe, überemotional zu sein. Dass ich Angst habe, dass mir alle Leute wieder wegrennen, die mir auf irgendeine Art und Weise was bedeuten, wie es eben eigentlich schon immer war. Dass sie deswegen einfach von vorn herein ehrlich sein und mich nicht wieder verarschen sollen, weil man an sowas zerbrechen kann. Aber ich hab gerade einfach nicht mehr das Bedürfnis oder diese Angst. Vielleicht hab ich momentan nur einen guten Tag, eine gute Woche und nächste Woche sieht das wieder ganz anders aus und das holt mich alles wieder ein, aber gerade ist alles soweit gut. Klar, ich will immer noch, dass alle Leute mit mir ehrlich sind, das hat sich nicht geändert. Aber ich habe gerade nicht das Bedürfnis, zu klammern oder mir Sorgen zu machen. Ich hab in den letzten Monaten so viele neue Leute kennen gelernt und fühle mich jetzt schon in meiner neuen Umgebung besser geerdet als in meinem gesamten Bachelor. Ich werde zu Sachen eingeladen, ich gehe vor die Haustüre, ich hab etliche Leute, die ich anschreiben könnte (mal davon abgesehen, dass davon immer noch einige Spaßbremsen sind, aber hey, das ist ja nicht der Punkt). Ich hab immer noch ein ganzes Haus voll mit Dingen, die mich eigentlich belasten und wenn ich in der Heimat bin, wird mir das vermutlich auch deutlicher als in meinem studentischen Umfeld, einfach, weil die Erinnerungen alle hier hängen und einem immer wieder begegnen. Aber auch das ist plötzlich viel leichter zu tragen. Es fühlt sich nicht mehr so schwer auf den eigenen Schultern an und deswegen habe ich auch nicht mehr das Bedürfnis, das irgendwie loszuwerden; mich rechtfertigen zu müssen für meine Selbstzweifel und Verlustängste, für meine hin und wieder gestreuten Kommentare, die manchmal out of context erscheinen und eigentlich nur davon zeugen. Ich fühle mich leichter, entspannter. Ich weiß, dass ich jederzeit an mehreren Stellen darüber reden könnte, wenn es mich denn gerade sehr belasten und runterziehen würde und das reicht schon fast. Denn im Gegensatz zu sonst habe ich nicht dieses nagende Gefühl, dass man es ja eigentlich gern würde, aber es lächerlich ist und niemanden damit vollheulen will. Ich will nicht irgendwem all meine Puzzleteile unter die Nase halten und sagen müssen "Hier, mach nicht noch mehr draus, sondern hilf mir bitte einfach lieber, die zusammenzukleben oder nur zu tragen", ich habe das Gefühl, dass ich das doch alles selbst schaffen kann - und ich bin da nun auch endlich mal selbst von überzeugt. 
Danke Sturheit, dass du mich so weit getrieben hast bis zu diesem Punkt. Ich weiß, es hat viel zu lange gedauert, aber das ist egal, denn letztendlich stehe ich vielleicht wirklich stärker auf, als ich zuvor war. Mein Gepäck ist noch da, aber ich hab irgendwo auf dem Weg gerade etwas davon rausgeschmissen, aussortiert. Langsam, aber sicher kann ich wieder aufrechter gehen und lass mich nicht von all der Last erdrücken oder runterziehen. Ich kann das schaffen. Denn gerade fühlt sich das Leben wirklich gar nicht mal so schlecht an. Und allein diese Feststellung hinterlässt doch schon so ein wunderbar gutes Gefühl...!

"Don't wanna give you all my pieces, don't wanna hand you all my trouble, don't wanna give you all my demons. You'll have to watch me struggle from several rooms away but tonight I'll need you to stay!"

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