"Life's a lot like Jazz - it's best when you improvise." - Eins meiner Lieblingszitate und auch so wahr. Und auch so schwer umzusetzen.
Es könnte doch alles so einfach sein, wenn man den Kopf einmal abstellt, die Ohren auf Durchzug und Scheuklappen um die Augen rum. Einfach stur geradeaus sehen und nicht über Konsequenzen nachdenken. Pläne Pläne sein lassen, Vernunft vergessen, einfach nur die Arme ausstrecken und sich vom Wind tragen lassen. Klingt himmlisch und fast so, als würde es keinerlei Konsequenzen nach sich ziehen. Stimmt das?
Naja, zumindest auf einer Ebene - denn wenn ich nicht darüber nachdenke, was ich tue, wie kann es mich dann nachher noch stören? Getreu dem Motto: Wenn ein Baum im Wald umfällt, es aber keiner bemerkt, ist er dann wirklich umgefallen? Aber wenn es andere Menschen betrifft, dann sieht es schon wieder anders aus. Sie können einen zur Verantwortung ziehen, direkt betroffen, vielleicht sogar verletzt sein oder aber einen Schaden von sich tragen, der eigentlich vermeidbar gewesen wäre. Sie können einen belangen und damit konfrontieren; aber wenn ich dennoch nicht weiter über mein Handeln nachdenke, interessiert es mich dann überhaupt? Wahrscheinlich nicht. Was wohl auch die heutige Lebenseinstellung vieler Menschen geprägt hat: Ich denke nicht nach, zumindest nicht über das, was ich vielleicht bei anderen bewirkt habe, solange ich noch den Wind unter den Armen spüre.
Ist die Einstellung schlecht? Wirklich so verwerflich? Ich habe es immer für wichtig gehalten, auf andere zu achten. Mich nicht über sie zu stellen, eher noch unterzuordnen. Nicht wie all diejenigen zu sein, die sich einen feuchten Dreck um ihre Mitmenschen scheren. Doch das endet in Denken. Viel zu viel Nachdenken, Grübeln, Interpretieren, Hoffen. Hoffen, nichts falsch gemacht zu haben, über Kompromisse für alle anderen Menschen nachzudenken und zu grübeln und jede Geste und jeden Satz eines Anderen auseinander zu nehmen, um zu verstehen, wie es ihnen geht. Ob man sie vielleicht verletzt hat oder es noch könnte. Ob man sie nerven könnte, aufdringlich erscheint und ob es wirklich so eine gute Idee ist, all das zu sagen, was man gerade gesagt hat - sollte man sich selbst vielleicht nicht mehr schützen? Doch wenn man einmal den Kopf ausstellt, dann ist all das egal. Man kann sich gehen lassen, vielleicht auch zum ersten Mal seit langem man selbst sein und sich so wunderbar frei fühlen, losgelöst von allen gesellschaftlichen Zwängen. Frei sein. Federleicht sein. Dem Glück ein kleines Stückchen näher.
Allerdings darf man dann nur nicht den Fehler machen, wieder nachzudenken. Denn dann würde man all diese neu gewonnene Lebenseinstellung wieder kaputt machen. Die eigenen Vorwürfe, die Frage nach der Auffassung Anderer, alles kommt wieder zurück und verfolgt einen dann nachträglich. Also habe ich beschlossen, fürs Erste nicht an all die Anderen zu denken. Wenn man gerade beginnt, sich wieder etwas wohler in der eigenen Haut zu fühlen, würde man sich dadurch wohl nur selbst einen Rückschlag verpassen. Der Rest der Welt scheint mit so einer Einstellung ja auch ganz gut zu fahren und es ist ja nicht so, als wären mir alle anderen nun völlig egal. Nein, ich hab nur für eine Weile improvisiert und das diesmal ganz ohne Instrument. Und auch, wenn es mich das letzte Mal mein Herz gekostet hat, mache ich es wieder, wenn auch diesmal mit einem nicht so hohen Einsatz.Und ich fühl mich besser. Vielleicht sollte man nicht immer die Probleme anderer zu seinen machen, sondern einfach hoffen, dass ausnahmsweise mal nicht alles so mega kompliziert wird, wie es so oft ist. Immerhin kann es ja auch sein, dass man es sich nur selbst unnötig kompliziert gemacht hat. Also Kopf aus, improvisieren. Den Moment genießen, frei sein. Jung sein.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen