Ja, richtig vermutet, es kommt gleich wieder mein Lieblingsspruch: Die Gesellschaft ist an allem Schuld! Naja, nicht ganz, immerhin hat das nun kommende auch eine Menge mit Selbsteinschätzung und -wertschätzung zu tun, aber dennoch ist der gesellschaftliche Einfluss nicht zu leugnen.
Schönheitsideale gab es schon immer - jeder kennt wohl die Damen, die Rubens malte und auch jeder kennt die dünnen, schlanken, großen Menschen, die heutzutage als bildschön und perfekt abgestempelt werden. Sicher, ich schließe mich da nicht aus, unter all den Glamour-Sternchen und Stars sage auch ich, dass viele bildschöne Menschen dabei sind, doch kommen die aus einer fast gänzlich anderen Welt als wir Otto-Normal-Menschen. Make-Up, Stylisten, Photoshop und jede Menge Geld sind dort das Geheimnis, etwas, das hier wohl die wenigsten nachahmen können. Und doch gelten für uns die gleichen Standards wie für das Model, das am Billboard prangt und Bikinis bewirbt: schlank soll man sein, reine Haut haben und einen Augenaufschlag, bei dem einen im Idealfall die Knie zittern. Wenn man all das vorweisen kann, gilt man dann vielleicht als sexy genug? Fühlt man sich dann auch so?
Diese Vorstellung des perfekten, schönen Menschen, übt auf viele Menschen Druck aus - auf manche so unvorstellbaren, dass ich über den Part gar nicht reden will. Ich weiß nicht, was sie durchmachen und maße mich daher erst gar nicht an, so tun zu wollen, als wüsste ich, was da vorgeht. Letztlich ist alles nur eine Frage der eigenen Zufriedenheit - wenn ich mich selbst in meinem Körper wohl fühle, dann kann mir doch der Rest egal sein, oder? Außer, andere schaffen es, einem Zweifel einzureden. Und gerade in so oberflächlichen Themen wie dem Aussehen ist die Gesellschaft gerne so kritisch wie sie nur sein kann und hält mit ihrer Meinung auch nicht hinterm Berg. Es wird so viel auf den ersten Eindruck und Aussehen reduziert, dass eine falsche Outfit-Wahl einem schon einen Ruf einfangen kann, den man eigentlich gar nicht verdient. Man muss schön sein oder aber zumindest das Beste aus sich gemacht haben, um positiv bemerkt zu werden und überhaupt "ansprechend" genug zu sein. Womit die Leute, die sich nicht viel um Kram wie Make-Up, Mode und dem richtigen Hüftschwung scheren, definitiv ein Problem haben.
Eigentlich zähle ich mich selbst zu dieser Kategorie. Klar, man will nicht aussehen als wenn man in der Mülltonne geschlafen hätte, aber mir reicht es auch aus, nur einen kurzen Blick in den Spiegel zu werfen um zu wissen, ob mir nicht zufällig noch das Frühstück im Gesicht hängt. Jaja, ich hör die bösen Zungen schon sagen: So siehst du auch aus. Mag sein. Allerdings finde ich es ätzend, dass solche Dinge wohl scheinbar zu einem "richtigen Mädchen" zu gehören haben - wir müssen immer hübsch aussehen. Wie jeder andere habe ich auch so meine Probleme mit meinem Körper, mein Gewicht bzw. meine Figur allerdings gehörten nie dazu. Eigentlich. Denn nun habe ich nach gefühlten Jahrzehnten ein wenig zugenommen (was eigentlich nicht verwerflich wäre) und die ersten dummen Sprüche kommen. Waren es früher die Magersucht-Sätze, so kommen nun die, bei denen man auf sein Gewicht aufpassen sollte, nicht, dass es nicht vielleicht noch extremer wird. Diese haben mittlerweile so ein Ausmaß erreicht, dass ich sie tatsächlich selbst glaube, aus Angst, sie könnten Recht haben. Aus Angst, dass man nur aufgrund solcher Oberflächlichkeiten abgestempelt wird und einem schöne Dinge entgehen könnten - auch wenn es eigentlich auf die Menschen ankäme, die sich um so etwas nicht scheren. Aber mal ehrlich, wer ignoriert schon seinen ersten Eindruck und rückt gerne von dem sich gemachten Bild ab? Die Welt ist nun mal oberflächlich, ich spreche mich davon auch nicht frei und etwas dagegen tun kann man eh nicht - also müssen nun Präventionsmaßnahmen getroffen werden. Richtig gehört. Das Mädchen, das lautstark "Sport ist Mord" brüllt oder aber "Gewicht ist mir sowas von egal" bewegt sich nun, in der Hoffnung, ihrem Gewichttrend entgegen zu wirken. Um Bauchansätze verschwinden zu lassen. Um zumindest den Part, mit dem man mal zufrieden war, irgendwie bei zu behalten. Ich muss gestehen, nicht jeder Sport ist Mord und sicher könnte man mehr für die Figur tun als ich das gerade mache, aber für mich ist das schon ein riesiger Schritt, überhaupt etwas zu tun. Das Traurige ist nur, dass ich (noch) nicht weiß, für wen ich das eigentlich tue - für mich, um mich wohl zu fühlen, oder für die Sprüche-Reißer und Außenbetrachter, die mit meinem Anblick leben müssen und mich dann hoffentlich wieder in Ruhe lassen, damit ich mich wieder wohl fühlen kann, so wie ich bin - auf die Gefahr hin, mir wieder die anderen, alten Sprüche anhören zu müssen. Doch wahrscheinlich wird man eh nie das vorherrschende Schönheitsideal erreichen - wenn man es jedoch nicht versucht, so kann man es sich wohl Ewigkeiten als Vorhaltung anhören dürfen und wird einem als so schlimm verkauft als wenn man dessen Katze überfahren hätte.

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