Ich würd so gern einfach los lassen können. Aber ich kann nicht. Weil ich all das nicht verstehe, immer noch nicht und weil ich auch nicht das einfach abhaken kann. Weil es für mich besonders war, was da war, weil das etwas war, an das ich nicht mehr geglaubt habe in dieser Welt. Und das will ich nicht einfach so loslassen, denn was wäre daran noch besonders, wenn man es einfach entbehren könnte? So wie du das machst. Also war das alles vielleicht gar nichts besonderes, nur für mich, habe wieder mal in irgendeinem Irrglauben gelebt, dass es mal um mich geht und nicht darum, dass ich ein toller Ersatz bin, eben weil ich so viel Herz gebe, weil ich bei sowas nur ganz oder gar nicht drin bin. Ich versteh einfach nicht, wie aus so etwas, bei dem wir uns doch einig waren, dass es bleiben soll, eine völlige Kontaktsperre wird. Ich würde dich so gerne Dinge fragen, nur um zu verstehen, um loslassen zu können. Aber ich kann es nicht, weder loslassen noch mit dir reden. Und gerade das vermisse ich so sehr. Ich hab so viel, was ich dir gern erzählen würde und jeden Tag kämpfe ich mit mir selbst, um dich nicht anzuschreiben. Denn jedes Mal, wo ich nur auf eine Schweigemauer stoße, ist ein weiterer Schlag in mein Gesicht. Eine weitere Bestätigung, dass ich wieder mal nicht genug war, nicht ausgereicht habe. Dass ich niemanden in meinem Leben halten kann. Gerade deswegen wollte ich nicht mehr, dass irgendjemand mir wieder so wichtig wird und dann kommst du und wirst es dann in so einem Maße wie schon lange niemand mehr. Und ich dachte, dass es diesmal anders wird. Dass das nicht nur für mich was Besonderes ist, all meine und deine Fehler hin und her. Oder vielleicht gerade wegen ihnen. Ich glorifiziere dich nicht, aber das ändert nichts daran, dass du für mich ein besonderer Mensch bist. Warst. Was auch immer ich da jetzt nur noch sagen darf. Und es tut weh zu wissen, dass du nicht mehr zu mir finden wirst und dass ich nie verstehen werde, warum alles so ist wie es ist. Ob ich dich so verkannt habe, was ich aber nicht glauben will, denn ich will nicht glauben, dass all das nicht echt war. Oder vielleicht sollte ich genau das mal glauben, damit es noch mehr weh tut, aber es wenigstens gar keinen Sinn mehr hat, irgendetwas zu vermissen, weil es eigentlich nie da war. Weil ich es mir eingebildet hab. Weil ich eben nichts anderes bin als die Marionette, mit der jeder spielt, der will. Und die man dann ganz weit von sich drückt, sobald man dann einen wirklichen Menschen gefunden hat, denn Marionetten sind ja schließlich nur Spielzeug.
Ich kann nicht mehr. Ich funktioniere nur noch, weil die Menschheit es von einem erwartet. Denn wenn ich nicht mehr funktionieren würde, dann wäre ich nur noch ungenügender. Noch mehr fehl am Platz, auf dieser Welt, als eh schon. Ich will nicht mehr sowas erleben wie Silvester, als ich vor der größten Klatschtante nervlich zusammen gebrochen bin. Ich will nicht mehr Angst vor'm Einschlafen haben oder vor meinen eigenen Gedanken. Ich will nicht mehr mir still und heimlich Tränen aus dem Gesicht wischen, weil man im Zug anfängt zu weinen oder beim Spazierengehen oder beim Film schauen mit Freunden oder bei allem anderen, das ich tu. Ich will das alles nicht mehr. Ich kann ja nicht mal mehr in den Spiegel schauen. Weil mich alles anwidert. Ich will zusammenbrechen können, endlich diesem ständigen Druck von außen nachgeben und zu dem kleinen, einsamen abschaumähnlichen Etwas werden, nach welchem ich mich schon fühle. Aber stattdessen heule ich weiter, gehe abgestumpft durch den Tag, um dann abends alles über mich hereinbrechen zu lassen. Ich kann das alles nicht mehr. Ich will das alles nicht mehr. Und es ändert ja doch nichts. Weil du mir meine Fragen nie beantworten wirst, mir all das hier nicht erklärst, ich wie schon immer alleine durchs Leben zieh und dafür einfach nicht gemacht bin. Genauso wenig wie dafür, das Leben mit irgendwem irgendwie zu teilen, denn dann werden sie mir wichtig und sobald das passiert, gehen sie wieder. Bist du gegangen. Wie alle vor dir.
"Leg deinen Kopf auf meine Schulter, es ist schön ihn da zu spür'n und wir spielen Bonnie und Clyde. Komm wir bomben uns durch's Leben und öffnen jede Tür, denn wir sind Bonnie und Clyde..."
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